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Geschichte der Juden.
und, so zu sagen, die gemüthliche Seite des Judeuthums, die sich inder Hoffnung auf die messianische Erlösungszeit ansspricht, Alles istin diesem Werke gleichmäßig gewürdigt und zur Bollberechtigungerhoben. Maimuni hat darin die verschiedenen Bahnen, in welchedas Judenthum geführt wurde, vereinigt und in einen Punkt zusammen-laufen lassen. Er machte damit den vollen Abschluß mit all' denBestrebungen, welche seit Saadia, der das Judenthum dem Bewußt-sein näher zu bringen und es begrifflich zu erfassen versuchte, zuWorte gekommen waren. Er führte für die gewaltige Geistesarbeitvon mehr als drei Jahrhunderten den nöthigen. Ruhepunkt herbei.Das maimunische Werk bildet daher den Gipfel derjenigen Richtung,welche mit R. Jochanan ben Sakkai nach Abstreifung der PolitischenSeite ihren Anlauf nahm. Von jetzt an konnte auf dem bisdahin eingeschlagenen Wege mit den gegebenen Mitteln unterden gangbaren Gesichtspunkten nichts Neues mehr geschaffen werden ^nur Einzelnes konnte noch hier und da berichtigt, besser ausgearbeitet,an dem Ganzen aber nichts mehr geändert werden.
Man kann fast sagen, daß Maimuni einen neuen Talmud ge-schaffen hat. Es sind zwar die alten Elemente, man kennt ihrenFundort, ihr Vorkommen, ihr ursprüngliches Gefüge, aber unter dieserBehandlung, Gruppirung und Verarbeitung nimmt sich Alles ganzanders aus. Der Rost ist entfernt, das entstellende Beiwerk beseitigt,alles erscheint umgegossen, geglättet, frisch und neu. Die Mischnah,der Grundbau des Talmud, beginnt mit der Gesetzesfrage: „Zuwelcher Stunde darf man den Abschnitt Schema Abends lesen?" undschließt mit der Diskussion, wann Dieses oder Jenes levitisch unreinwird. Maimuni dagegen beginnt seinen talmudischen Codex- „DerHauptgrund und die Säule aller Weisheit ist, zu erkennen, daß esein Urwesen giebt, welches alle Creatur in's Dasein gerufen hat,"und schließt mit den Worten: „Die Erde wird einst voller Erkenntnißwerden, wie das Wasser den Meeresgrund bedeckt." Es schwebtüber diesem Werke ein eigner Duft, es weht darin der Geist voll-endeter Weisheit, ruhiger Besonnenheit und tiefer Sittlichkeit. Mai-muni hat so zu sagen die Philosophie talmudisirt und den Talmudm e taph y s i ci r t. Er hat die Philosophie in den Religionscodex aus-genommen und ihr dort das ebenbürtige Bürgerrecht neben der Halachaeingeräumt. Wenn sie auch früher von jüdischen Deukern gepflegtund auf das Judenthum angewendet wurde, von Philo bis aufAbraham Jbn-Daud, so galt sie diesen selbst noch immer als eineAußenseite, die mit dem praktischen Judenthum, wie es täglich undstündlich geübt wird, nichts zu schaffen hat. Maimuni dagegen hat