Maimuni's Sendschreiben nach Jemen. 281
Gegenden verlockt und in's Unglück gestürzt ^). Auch solche falschemessianische Vorspiegelungen und die darauf erfolgenden Unglücksfällehätten die Propheten voraus verkündet. — Merkwürdig ist aber, daß,obwohl Maimuni messianische Berechnungen so hart verdammte, ersich doch nicht enthalten konnte, in demselben Sendschreiben mitzntheilen,daß nach einer in seiner Familie fortgepflanzten Ueberlieferung dieProphetie, als Vorläuferin des Messias, im Jahre 1216 wieder aus-brechen werde
Zum Schlüsse ermahnte Maimuni Jakob Alfajnmi, sein Send-schreiben copiren zu lassen und es unter die Gemeinden Jemens zuverbreiten, um sie im Glauben zu stärken. Beim Vorlesen desselbenmöge indeß große Vorsicht gebraucht werden, damit nicht ein Ver-räther es zum Gegenstände einer Anklage machen könnte. Er selbst,bemerkte Maimuni, schriebe in Angst wegen der üblen Folgen, die esfür ihn haben könnte, allein er bedenke, daß diejenigen, welche fürdas allgemeine Beste wirken wollen, der Gefahr ruhig in's Auge sehenmüssen. — Dieser interessante, mit vieler Wärme geschriebene Trost-brief hat auf die südarabischen Juden einen so günstigen Eindruckgemacht, daß sie, weit entfernt, schwankend im Glauben zu werden,darin erstarkten und lebendigen Antheil an allen Vorgängen derGesammtjudenheit nahmen. Maimuni fand später Gelegenheit, alser zu hohem Ansehen gelangt war, den politischen Druck und diefanatische Verfolgung anfhören zu machen. Dafür hingen auch dieGemeinden von Jemem ihm mit schwärmerischer Liebe und Verehrungan 2). Sie schalteten seinen Namen in das tägliche Gebet ein, eineEhrenbezeigung, die nur den ehemaligen Exilsfürsten in ihrem Glanzezu Theil wurde. Der messianische Schwärmer in Jemen trieb seinWesen ein ganzes Jahr. Endlich wurde er verhaftet und von einemder Herrscher in's Verhör genommen. Unerschrocken erklärte er, imAufträge Gottes gehandelt zu haben, und verlangte zur Bekräftigungseiner göttlichen Sendung, daß man ihm den Kopf abschlage, und erhoffe, gleich darauf wieder lebendig zu werden. Der Herrscher be-merkte hierauf, daß in diesem Falle er selbst an ihn glauben werde.Darauf wurde der Schwärmer enthauptet, blieb natürlich todt, aberder Wahn starb damit nicht ab. Es fanden sich noch immer Anhänger,
U Von diesen drei Pseudomessiassen ist aus andern Quellen nichts bekannt.
2) IZKSrsb 'Usruau sä. ^.rusb. p. 126 ä.
2) Nachmani's großes Sendschreiben an die französischen Rabbinen in derSammelschrift luuluiuut Ollosllras,, in der Brünner Ausgabe der Maimuni'schenBriefsammlung und neuerdings aus einer Handschrift abgedruckt in Frankel'sMonatsschrift 1880 S. 184 ff.