Maimuni's Sendschreiben nach Jemen. 279
seines geringen Umfanges einen reichen Inhalt hat und Zeugniß vondes Verfassers hohem Geist und innigem, geläutertem Glauben ablegt.Er suchte darin die Leidenden zur Höhe des gläubigen Bewußtseinszu erheben, von welcher aus das Leiden um des Glaubens willenseinen stechenden Schmerz verliert und das Düster als nothwendigesMoment zum Anbruch des Lichtes erscheint. Er sprach sich darinüber das Verhältniß des Judenthums zum Christeuthum und zumIslam mit einer Schärfe und Bestimmtheit aus, welche seine innigsteUeberzengung wiederspiegeln. Es sei allerdings betrübend, bemerktder Weise von Kahira, daß an zwei entgegengesetzten Punkten grausigeVerfolgungen über die Juden hereingebrochen sind: im Westen unterden Almohadeu und im Osten unter den Mohammedanern von Jemen.Indessen kämen sie nicht unerwartet, denn die Propheten hätten sieganz bestimmt vorher verkündet. „Ueberhaupt weil Gott uns, SöhneIsraels, durch seine Gnade besonders ausgezeichnet und uns zuTrägern der wahren Religion, der wahren Erkenntniß gemacht hat,hassen uns die Völker, nicht um unsrer selbst, sondern um des Gött-lichen willen, das in unsrer Mitte lebt, gewissermaßen um den gött-lichen Plan zu vereiteln." Seit der sinaitischen Gesetzesoffenbarungsei keine Zeit vorübergegangen, wo das Judenthum und dessen Be-kenner nicht Leiden und Verfolgungen ausgesetzt gewesen wären. DieVölker mit ihrem Hasse seien aber unter drei verschiedenen Gestaltendagegen aufgetreten. Entweder ganz plump mit dem Schwerte, wieAmalek, Sisera, Sanherib, Nebuchadnezar, Titus und Hadrianus, umdas Volk als Träger der Wahrheit einfach von der Erde zu ver-tilgen. oder mit der Lügenkunst sophistischer Ueberredung, Perser,Griechen und Römer, um die Lehre des Judenthums zu widerlegenund als falsch darzustellen, oder endlich mit der Maske der Offen-barung, gewissermaßen im Gewände des Judenthums, um es mitgeschickter Taschenspielerkunst verschwinden zu machen. Das dem Jnden-thum feindselige Princip habe nämlich endlich erkannt, daß es wederdie Träger der Gotteslehre vernichten, noch diese aus deren Herzenzu reißen im Stande gewesen, und es sei auf den Gedanken gekommen,sie durch eine schlaue List zu beseitigen. Es gebe vor, auch eineOffenbarung empfangen zu haben, erkenne zwar die sinaitische als zuihrer Zeit berechtigt an, spreche ihr aber die fernere Gültigkeit ab.Dieses feindselige, auf Verbannung des Göttlichen von der Erde aus-gehende Princip suche einen Balg für ein göttliches Kind unter-zuschieben , um das Judenthum zu fälschen. Die neue Offenbarungvon Nazaret und Mekka verhalte sich aber zum Judeuthum wie einnoch so kunstfertig ausgeführtes Menschenbild zu einem vollkräftigen