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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

talmudischen Schriften in ihrem ganzen Umfange, die Philosophie, dieHeilkunde und die Mathematik mit Astronomie. In seinem dreinnd-zwanzigsten Jahre arbeitete er für einen Freund eine kleine Schriftüber das jüdische Kalenderwesen in hebräischer Sprache auf astrono-mischen Grundsätzen aus (Ollssalldon lm-Ibchnr, 1158^). Obwohldieses Schriftchen keine besondere Bedeutung hat, so bekundet es dochseinen Ordnungssinn im frühesten Alter und seine Neigung, in klarer,systematischer Uebersichtlichkeit darzustellen. In demselben Jahre legteer Hand an ein Werk, dessen Unternehmung schon von Größe undKühnheit des Geistes zeugt. Er begann in einem Alter, wo die meistenMenschen noch kaum ihre Lehrjahre vollendet haben, die Mischnahganz selbständig in einem eigenen Lichte zu erklären, eine riesige Arbeit,wozu ihm kein Borbild voranleuchtete. Er arbeitete daran unter stetenWanderungen und mit Ungemach kämpfend , und so sehr war ihmder ganze Umfang des Talmud gegenwärtig, daß er dabei der Bücherentbehren konnte.

Ein Jahr darauf oder zwei Jahr später (115960) wandertesein Vater mit ihm, seinem Bruder David und seiner Schwester vonSpanien nach Fez aus. Was die Familie Maimun bewogen hat,sich gerade nach dem Lande der größten Unduldsamkeit zu begeben,ist ein noch unaufgehellter Punkt. In Fez, so wie in ganz Nord-afrika, soweit der fanatische Abdulmumen herrschte, durften die Judennicht öffentlich auftreten, sondern mußten den ersten Glaubenssatz desIslam bekennen, daß Mohammed, der Glanbensstifter ein Prophetwar und waren genöthigt, wenn sie nicht dem Tode verfallen wollten,die Moscheen zu besuchen (vergl. S. 155). Synagogen und Lehr-häuser bestanden nicht mehr in diesem Lande. Heimlich hingen aberdie afrikanischen Gemeinden des Königreiches Marokko dem Jnden-thum an, und auch die Familie Maimun mußte öffentlich die Maskedes Islam annehmen ^). Gewiß hat sie lediglich die allergrößte Noth-wendigkeit dazu bewogen. Da nun die Religionsverfolgnng bereits

U Abgedruckt in Oibrs Olluollamiru des Elieser Aschkanasi Tunensis.

2) Ende des Mischnah-Commentars.

b) Daß Maimuni und die Seinigen Scheinmohammedaner waren, hatzuerst Carmolch (Annalen 1839 S. 325 ff.) und dann Munk erhärtet (Uotlossur llosöpll b. llslluäs, und ^.rollivss isruslitss 1851 p. 319 ff). DieseThatsache steht nach dem jetzt vorliegenden lAAsrst lla-8obsrua.cl und moham-medanischen Zeugnissen von Zeitgenossen so fest, daß nur die Kritiklosigkeit sieableugnen kann. Nur ist man nicht genöthigt, anzunehmen, die FamilieMaimun hätte bereits in Spanien dem Kryptomohammedanismus gehuldigt,vielmehr scheint es, daß sie nur deswegen in diesem Lande umhergewandert ist,um ihre Religion ungefährdet bekennen zu dürfen.