Gemetzel der Juden in England. 225
Tags darauf, am Palmsonntag (18. März), wurden siebenund-fünfzig Juden von den Kreuzzüglern in St. Edmund hingeschlachtet ^).Und überall, wo es Juden in England gab, fielen jüdische Märtyrer,soweit sie nicht von den Bürgern geschützt wurden ^). Eine Gemeindevon lauter jüdischen Proselyten, zwanzig Familien, erlitt ebenfalls denMärtyrertod fl. Der König Richard war über alle diese Grausam-keiten an den Juden höchst erzürnt und beauftragte seinen Kanzler,Untersuchung anzustellen und die Schuldigen zu bestrafen. Aber dieKrenzzügler hatten sich aus dem Staube gemacht, die schuldigenBürger und Edelleute flohen nach Schottland, die klebrigen ent-schuldigten sich. Nur der Gouverneur von Jork wurde seines Amtesentsetzt fl.
Aber auch der Hilfe edler Bürger wurden sie beraubt, alsRichard's Bruder zur Negierung gelangte, jener König Johannohne Land, der durch seine Gewissenlosigkeit England zum Vasallen-lande des päpstlichen Stuhles erniedrigt hat. Wenn er gegen alleWelt rücksichtslos verfuhr, so durften sich die Juden gewiß nichtsGutes von ihm versehen. Oester ließ er sie verhaften und ihnen durchschaudervolle Tortur ihre Reichthümer erpressen. Bekannt ist seinVerfahren gegen einen Juden von Bristol, von dem er 10 000 MarkSilbers verlangte, und dem er einen Zahn nach dem andern aus-reißen ließ, bis der Unglückliche das Geld herbeischaffte fl. So sankendie Juden Englands nach und nach zu einer verachteten Menschcnklasseherab, der man alles zumuthen durfte und der stets „gieb, gieb"zugerufen wurde. Eine eigene Cultur konnte sich daher unter ihnennicht entwickeln.
fl Das. 2 )
fl Ephraim von Bonn, Martyrologium x. 10
fl Wilhelm von Neubury das. IV. 11.
fl Matthäus Paris, lüstorls, raajor sä. Uoiiäou 1680 g. 229 aäarmarn 1210.
Graetz, Geschichte der Juden. VI.
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