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Geschichte der Juden.
schreibt ihm eine geistreiche Rechnungsart zu, die er in einer gefahr-vollen Lage angewendet haben soll. Er soll sich einst mit fünfzehnJüngern auf einem Schiffe befunden haben, das voll von Passagierenwar; ein heftiger Sturm brachte das Schiff dem Untergange nahe,und als letzte Rettung wurde die Erleichterung des Schiffes von derHälfte seiner Mannschaft angesehen. Der Schiffscapitain berietst mitJbn-Esra, jeden neunten Mann in's Meer zu werfen. Jbn-Esrasoll aber seine Jünger so gestellt haben, daß sie die Reihe nicht be-troffen habe (Rnoddulak). Es scheint, daß Jbn-Esra sich im Alternach Spanien znrücksehnte und die Reise von Südfrankreich aus au-getreten hat. Aber in Calahorra, an der Grenze von Navarraund Aragonien angekommen, starb er, und soll auf dem Todtenbettenoch witzig einen Bibelvers auf sich angewendet haben: „Abraham war78 Jahr alt, als er dem Fluch dieser Welt entwich" (st. Montag1. Adar — 23. Januar 1167). Er hinterließ viele Jünger und einenbegabten Sohn, der ihm aber keine Ehre machte.
Auch das jüdische Frankreich hatte damals eine reichbegabte Per-sönlichkeit, welche nicht nur die Hauptrichtung der französischen Schulein sich concentrirte und dadurch Gesetzgeber für viele Jahrhundertewurde, sondern auch an dem Geiste der jüdisch-spanischen Schuletheilnahm. R. Jakob Tam aus Ramerü (geb. um 1100 st. 1171),welcher von den Kreuzfahrern dem Tode nahegebracht worden war,war die bedeutendste Erscheinung, welche aus Raschi's Schule hervor-gegangen ist. Der jüngste der drei gelehrten Enkel des großen Lehrersvon Trohes, konnte R. Tam nichts von seinem Großvater lernen, dener nur mit Kindesaugen kannte, und war der Schüler von dessenJünger, von seinem Vater Me'tr und von Joseph Bonfils (Rod-lillkm II. i). Er erlangte eine solche Tüchtigkeit in der Talmudkunde,daß er seine Zeitgenossen und selbst seine älteren Brüder Isaak undSamuel (Hassüdam) überstrahlte. Die weitläufigen Gänge und ver-schlungenen Wege des talmudischen Labyrinths lagen ihm offen, under beherrschte das ganze Gebiet mit seltener Meisterschaft. Er verbandKlarheit des Geistes mit Verstandesschärfe und war der Hauptbegründerder Toffafistenschule (o. S. 143^). Keiner seiner Vorgänger offen-barte eine solche Gründlichkeit und überraschend dialektischen Scharf-sinn in einem so hohen Grade auf dem Gebiete des Talmud. ObwohlPrivatmann und ein Geschäft betreibend, galt er doch als der an-gesehenste Rabbiner seiner Zeit, dessen Ruf bis nach Spanien und
*) Lstsr x. 74a. Vergl. über diesen Ben-Jakob, ^.cläita-
rasnta zu Asulai's Lollsni lls,-Osäolirn II p. 16ö Nr. 29.
2) Vergl. llocllasiu sä. läliporvslri p. 217.