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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

Das rabbinische Judeuthum gewähre dagegen dem religiösen GewissenBeruhigung, indem es keine Schwankungen zulasse, und morgen dasselbereligiös geboten oder verboten bleiben werde, wie heute, während dasKaräerthum von der Deutung der Schrift abhängig ist und jedenAugenblick einer verschiedenen Auffassung der Religionsgesetze gewärtigsein muß i).

Die Annahme, daß das Judenthum eine Anstalt sei zu demZwecke, die göttlich-prophetische Natur in einem geschlossenen Kreise,in einem Stamme, der die innere Anlage dazu von Adam durch diePatriarchen und Abraham geerbt hat, zu erhalten und zu fördern,mußte den kastilischen Philosophen zur Consequenz führen, daß dieProselyten, die sich dem Judenthum anschließen, so innig religiös sieauch sein mögen, dieser höheren Natur nicht theilhaftig werden können.Das Judenthum hat nur die Nachkommen Israels zu seinem Diensteberufen, die andern Völker dagegen seien nicht dazu verpflichtet. Tretensie zum Judenthume über, so haben sie Theil an den äußerlichenSegnungen, welche Gott den Israeliten für Befolgung der Gesetzeverheißen hat, aber nie können sie den hohen prophetischen Graderreichend. Die Christen und Mohammedaner, obgleich sie auf demJudenthume fußen und das heilige Land verehren und dahin wall-fahrten, betrachtete Jehuda Halcvi als Götzendiener, die nur mit demGegenstand der Verehrung gewechselt haben. Es war allerdingsrichtig, was er von den Anhängern der beiden Religionsformen zuseiner Zeit behauptete, daß die Christen ein hölzernes Kreuz und dieMohammedaner den schwarzen Stein der Kaaba verehrten, also ganzin biblischem Sinne Verehrer von Holz und Stein waren ^). Aberdem Christenthum und dem Islam in ihrer ursprünglichen Gestaltließ Jehuda Halevi Gerechtigkeit widerfahren; sie seien Veranstaltungenzur Läuterung und Veredelung der Menschheit. Die Knechtsgestalt,die Israel in der Verbannung unter den Völkern der Erde an-genommen hat, ist nach der Ansicht des dichterischen Philosophen keinBeweis für seine Verkümmerung und seine Hoffnungslosigkeit. Istdoch auch die Machtentfaltung, deren das Christenthum und der Islamgleicherweise sich rühmen, kein Beweis für die Göttlichkeit ihrer Lehre.Denn es könne doch nur das Eine oder das Andere die wahre Reli-gion sein, wenn von der äußeren Stellung auf die innere Würdigkeitgeschlossen werden sollte. Armuth und Elend, verachtet in den Augender Menschen, stehen in den Augen Gottes höher als aufgeblähte

l) Das. 50. 2 ) Das. I. 27, 101.

°) Das. IV. 11.