Die Märtyrer in Worms.
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elften Jahrhundert gestaltet war, nur ein arges Heidenthum erblicken.Die Verehrung der Reliquien und Bilder, der geist- und gemüthloseGottesdienst in der Kirche, das Verfahren des Oberhauptes derKirche, welcher die Völker ihrer heiligen Eide entband und zumKaisermord rmffordcrte, das schwelgerische, sittenlose Leben der Geist-lichkeit, die verdummte, von Unwissenheit strotzende Anschauungsweiseder Menge, das verthierte Treiben der Kreuzzügler, dieses allesgemahnte sie weit eher an die in der heiligen Schrift verabscheutenGötzendiener, als an Bekenner eines heiligen Gottes. Wie ihreVorfahren in der Makkabäerzeit sich gegen den aufgezwungenen Zeus-cultus sträubten und die Berührung mit der Ceremonie des Götzen-thums für befleckend hielten, ebenso dachten die deutschen Juden vondem Christenthnm ihrer Zeit.
Der Schwarm, welcher den Angriff ans die Gemeinde vonSpeier unternommen hatte, scheint nicht stark gewesen zu sein, daherkonnte er zurückgeschlagen werden. Er wartete nun, um sein blutigesWerk fortzusetzen, Verstärkung ab. Erst vierzehn Tage später zogeine größere Zahl Wallbrüder, „Wölfe der Wüste", wie sie der zeit-genössische jüdische Chronist nennt, in stets zunehmender Zahl nachWorms. Der Bischof Allebrandus konnte oder mochte denInden keinen ausreichenden Schutz gewähren. Doch scheint er dasNiedermetzeln der Juden nicht gut geheißen zu haben, da er einenTheil der Gemeindeglieder, wahrscheinlich die angesehenen und reichen,in seinen Palast aufnahm. Die klebrigen waren ans sich selbst an-gewiesen, setzten sich Wohl Anfangs zur Wehr, aber der Uebermachtder zahlreichen Bande erliegend, fielen sie unter den Streichen derBlutmenschen mit dem Bekenntnißrufe: „Der Herr unser Gott isteinzig." Nur sehr Wenige ließen sich zur Nothtanfe zwingen, dieAndern kamen ihr durch Selbstentleibnng zuvor. Man sah Frauenihre zarten Kinder schlachten. Die Wallbrüder zerstörten die Häuserder Juden, plünderten deren Habe und ließen ihre blinde Wuth auchau den heiligen Schriften aus, die sie in den Synagogen und inden Häusern fanden (Sonntag, 23. Jjar — 18. Mai). — Nachsieben Tagen kam die Reihe auch an diejenigen, welche im bischöf-lichen Palaste Schutz gefunden hatten, sei es, daß die Wallbrüdereinen Angriff darauf gemacht und die Auslieferung der Schlachtopferungestüm verlangt hatten, oder daß Allebrandus selbst den Judennur zu dem Zwecke ein Asyl eingeränmt hatte, um sie durch Mildezur Bekehrung zu bewegen. Der Bischof eröffnete ihnen mitememmale, er könne sie nicht länger beherbergen, wenn sie sich nichtder Taufe fügten. Die Angesehensten unter ihnen baten sich darauf