Die Märtyrer in den rheinischen Gemeinden. 85
wird! Wie sich die Scharen in Frankreich und Deutschland sammelten,
waren sie gezeichnet durch das Kreuz an ihren Kleidern und
durch das vergossene Blut von Juden. Indessen blieben solche
Metzeleien in Frankreich vereinzelt, weil die Fürsten und Geistlichenenergisch für die Juden auftraten. Nur in Rouen, das zu Englandgehörte, trieben die Kreuzfahrer die Juden in die Kirche, setztenihnen die Degenspitzen auf die Brust und ließen ihnen die Wahlzwischen Tod und Taufe. Auch in andern Städten haben sie wohlauf ihrem Zuge von Westen nach Osten, nach dem Rheine zu, ähn-liche Excesse begangen. Von Metz erzählt es die Chronik aus-drücklich.
Einen besonders tragischen Charakter und einen schrecklichenAusgang erhielten die Verfolgungen erst auf deutschem Boden. DieSchar, welche sich von Frankreich und Flandern nach den deutschenGauen wälzte, hatte zum Führer einen französischen Ritter, Wilhelmder Zimmermann genannt, dessen Habgier gewissermaßen gerecht-fertigt war, da er nicht reich war und schon bei seinem Auszugedas Geld für die Ausrüstung seiner Schar von den Bauernplündern mußte. Die übrigen Ritter unter Wilhelm's Schar, GrafHermann, Thomas de Feria, Clarenbald de Vendeuil, vermochtenentweder nichts über das blntbrünstige, übelgeleitete Gesindel oderwaren selbst nicht besser. Den Geist, von dem Wilhelm's Wallbrüderbeseelt waren, charakterisirt ein einziger Zug. Sie ließen eine Gansund einige Ziegen vor sich hergehen, von denen sie fest glaubten,sie seien von göttlichem Geiste angehaucht und würden ihnen denWeg nach Jerusalem zeigen. Solchen Feinden waren die jüdischenGemeinden der Mosel und des Rheins schutzlos Preisgegeben!Kaiser Heinrich war damals in Italien mit schlimmen Händelnvollauf beschäftigt, und in Deutschland herrschte dadurch die unbändigsteAnarchie. Als die Juden des Rheinlandes von dem Hernnziehcndieser Bande hörten, wendeten sie sich im Gebet an den Gott ihrerVäter.
Schon bei der Nachricht von dem Herannahen der Blutmenschenwar die Gemeinde von Trier von einem solchen Entsetzen ergriffen,daß einige ihre Kinder und sich mit Messern erstachen. Frauen undMädchen beschwerten sich mit Steinen und stürzten sich in die Mosel,um nicht von den heiligen Mördern zur Taufe gezwungen odergeschändet zu werden. Der Name einer dieser Märtyrinnen ist inErinnerung geblieben: Esther, Tochter des Gemeindevorstehers
Chiskija. Die übrigen Gemeindeglieder flehten den Bischof Egilbertum Schutz an. Doch dieser harte Kirchenfürst, der sich vielleicht