Die Juden in Böhmen, Mähren und Polen. 56
Dann, wenn »eunhundertundneunzig Jahre seit der Zerstörungdes zweiten Tempels abgelaufen sein werden (1068), werde Chefzibahdiesen Stab ihrem Sohne überreichen, dieser wird plötzlich im ThaleArbel auftreten. Aber die Weisen Jsrael's werden an ihn wegenseiner Knechtsgestalt nicht glauben. Da wird er sich in seiner Würdezeigen, wird mit dem Propheten Elia in die Thore Jernsalem's cin-ziehen und den erschlagenen Nehemia auferwecken. Das messianischeTriumvirat, Menahem und die beiden Vorläufer, werden aus demWeltmeere alle diejenigen erwecken, welche wegen Religionsverfolgungihren Tod in den Wellen gefunden. Die Erde wird in ihrem Innerstenerzittern. Berge werden einstürzen, der Oelberg wird sich spalten. DieIsraeliten werden sich aus der Nähe und Ferne sammeln, und derMessias wird der verwittweten Mutter Zion ihre Söhne zuführen.Mit seinem Hauch wird er den Wütherich Armilaos tödten. DerTempel wird sich wieder in seinem Glanze erheben und auf fünfhohen Bergen erbaut sein. — Aber weit entfernt, sich unter demBanner des Messias zu sammeln, zerstreuten sich die Söhne Jnda'simmer mehr und mehr und besetzten sich in jedem von der Culturhalb eroberten Landstrich.
Allmälig treten die Juden des östlichen Europa aus der Dunkel-heit ihres Daseins heraus. Sie waren in diesem Zeitraum bereitsin Böhmen, Mähren und Polen angesiedelt. Die Prager Gemeindebehauptet zwar eine der ältesten in Europa zu sein, und ihr hohesAlter will sie durch einen Grabstein bekunden, der bereits ein Jahr-hundert vor der Entstehung des Christenthums gesetzt worden sei.Allein da sie zu viel beweist, beweist sie gar nichts. Sicher ist nurdas Vorhandensein der Juden in Böhmen im zehnten Jahrhundert,wo sie christliche Sklaven besaßen; der Apostel der Preußen,früher Erzbischof von Prag, Woytech Adalbert, hatte unruhigeTräume darüber, daß die Gläubigen den Juden dienen sollten (vor990 Z. Im elften Jahrhundert galten die der Vorstadt Wyssehradfür so sehr reich, daß eine mährische Fürstin ihrem habsüchtigen,feindseligen Schwager, dem Böhmcnkönig, sagen konnte: „Reiche Leute,die du bei uns suchst, findest du in der Mitte deines eigenen Landes,in der Prager Vorstadt und im Dorfe Wyssehrad, die voll sind von
st Vita 8t. ^.clalbsrti in Oanisius, lllrssaurus nronrnusutorurn soelssias-tiooruin sivs lsotionss antiguas tll. III pars t p. 4V, eo. Die alten Grab-steine der Prager Gemeinde sind in der Verfolgung von 1388 zerstört worden,und der jetzt vorhandene älteste datirt von 1438; vergl Rapapvrt's Einl. zuSsI.-Lä. x. LXXVII.