Das Buch Zerubabel.
53
in Mainz i). Sämmtlich Jünger des R. Gerschom beschäftigten siesich mit mündlicher und schriftlicher Auslegung des Talmud, mit Be-antwortung von Rechtsfragen und allenfalls auch mit Erklärung derheiligen Schrift in agadischer Manier. Bedeutende Leistungen sindvon ihnen nicht geblieben. Wenn man noch den liturgischen DichterBenjamin b. Samuels ans Constanz (?) nennt, der sehr vielesynagogale Gebetstücke dichtete und den Ehrentitel „der Po et an"führte, so ist damit Alles erschöpft, was das jüdische Deutschlandund Frankreich damals an Berühmtheiten aufzuweisen hatte. WelcheArmuth gegen die Gestaltenfülle im jüdischen Spanien! Die Frömmig-keit der Juden dieser Länder und namentlich ihrer Führer war düsterund büßermäßig. Sie glaubten nie genug gethan zu haben. Ausübertriebener religiöser Skrupulosität feierten sie den Versöhnungstagzwei Tage und fasteten an beiden Tagen ohne Unterbrechung^).
Für die westeuropäischen Juden rief ein Mystiker, vermutlichaus Italien, in dieser Zeit messianische Hoffnungen wach. Er ver-faßte eine messianische Geheimschrift (Apokalypse) unter dem Titel„das Buch Zerubabel"^), worin er prophezeite, daß zwischen
ff Vergl. darüber Zunz in dessen Zeitschrift zu Raschi's Biographie undzur Geschichte S. 63, die Ergänzungen dazu von Simson Bloch S. 7 f., Levy-sohn a. a. O. S. 14 und 101.
ff Vergl. darüber Landshuth ^.naucks ^.bocka S. 53.
ff Raschi Us-rckss S. 44 ä und R. Hai, mitgetheilt von einem Kariier beiPinsksr Likutb, Noten S. 144, Anmerk.
ff Das mystische 8stsr 2siu.ba.bs1 hebt wiederholentlich hervor- nachAblauf von 990 Jahren seit der Tempelzerstörung, d. h. 1068 werde der SohnDavid's auftreten. Fünf Jahre vorher wird der ephraimitische Messias er-scheinen und erschlagen werden. Diese Schrift ist zuerst gedruckt Constantinopel1519 in der Sammlung amir- L-uopff Neuerdings hat sie Jellinek nach zwei Hand-schriften edirt (Ust ba-Nickrasob II. 54 — 57). Beide Editionen sind sehrcorrumpirt (die Wilnaer von 1819 kenne ich nicht) und können einander ergänzen.In Betreff des ephraimitischen Messias heißt es in der Uctilio Jellinek: mwo° 1 vv inu lluw um- '-sn p, was falsch ist, richtiger in der xiiuesxs:na ' 2 sn. Die Schrift scheint mir in Italien verfaßt zu sein, ich schließe dies theilsdaraus, daß gegen das päpstliche Rom polemisirt wird, und theils daraus, daßder Autor sich mit der römischen Geschichte dieser Länder vertraut zeigt. Er giebtnämlich an: Es werden 70 Könige über Rom herrschen, der zehnte wird denTempel zerstören: vap:a.n ma an.n- -n'L-v.m (sä. ck. p>. 55). Und allerdings warTitus der zehnte Imperator: Octavianus Augustus, Tiberius,. Caligula, Claudius,Nero, Galba, Otho, Vitellius, Vespasianus, Titus. Tie Kunde von den dreiephemeren Cäsaren Galba, Otho, Vitelius setzt sine Vertrautheit mit derrömischen Geschichte voraus, wie sie nicht einmal der geschichtskundige SpanierAbraham Jbn-Daud (in -vm 'aaa pari) hatte, um wie viel weniger ein deutscheroder französischer Jude, oder gar ein Orientale! Nur ein Italiener konnte dieseEpisode in der römischen Geschichte kennen. Die Schrift ist demnach um