Dieses großartige Werk, das nächst der religions-philosophischeuSchrift Saadia's die bedeutendste Erscheinung in der jüdischen Literaturdes Mittelalters bis ins elfte Jahrhundert ist, zeugt nicht blos vondes Verfassers hohem, lichtvollem Geiste sondern auch von seinersittlichen und religiösen Größe. Jbn-G'anach bemerkt in derwissenschaftlich gehaltenen Einleitung: er habe sich der Mühe derAusarbeitung unterzogen, nicht aus Eitelkeit und Ruhmsucht, sondernum ein tieferes Verständniß der heiligen Schrift und dadurch wahreFrömmigkeit zu fördern. Er sei dazu von einem unwiderstehlichenDrange getrieben worden, und die Lust an der Arbeit habe ihm nichtRuhe, nicht Erholung gelassen. In der ernsten Beschäftigung damitseien ihm die Gedanken wie durch höhere Eingebung prophetischerArt zugekommen. — Obwohl Jbn-G'anach vielfache Feinde hatte ansolchen, welche sein Verdienst schmälerten, und an solchen, welche ihn wegenseiner wissenschaftlichen Auffassung der Bibel als Ketzer verdammten,so sprach er in seinem Werke durchaus nicht feindselig von ihnen, janannte sie nicht einmal beim Namen, und wenn es auf ihn angekommenwäre, so würde die Nachwelt von der Gegnerschaft des MinistersSamuel Jbn-Nagrela gegen ihn nichts erfahren haben. — Mit derPhilosophie war Jbn-G'anach nicht unbekannt; er spricht von Platound Aristoteles mit Kennermiene ^). Er schrieb auch ein Buch überLogik, wohl im aristotelischen Geiste. Aber metaphysischen Untersuchungenüber das Verhältnis; Gottes zur Welt und über die Urprincipien,womit sich seine jüdischen Zeitgenossen und Landsleute und namentlichJbn-G'ebirol beschäftigt haben, war er abhold und sprach sich darübertadelnd aus, daß sie nicht zur Gewißheit führen, sondern den Glaubenuntergraben 2). Jbn-G'anach war ein nüchterner Denker und Feindjeder schwärmerischen, excentrischen Richtung. Darum blieb ihm auchdie Poesie fern; er gestand ein, daß ihm im reifen Alter kein Versgelingen wollte, obwohl er sich Mühe damit gegeben"). Er war derGegenfüßler der dritten Größe im Triumvirate dieses Zeitabschnittes,des Jbn-G'ebirol, mit dem er, obwohl in einer und derselben Stadtlebend, nicht im besten Einvernehmen gestanden zu haben scheint^).
*) NilrrasR Einleitung p. XI.
2) Das. Text x. 161. °) Das. p. 185 s.
ch Geiger's Vermuthung, daß Ihn-G'ebirol's Gedicht in der SannnlungLallirs Lollslomo von Dukes Nr. 22 sich auf Jona Jbn-G'anach bezieht, wirddurch den Inhalt selbst widerlegt.