Druckschrift 
5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
Entstehung
Seite
356
Einzelbild herunterladen
 

35,6

Geschichte der Juden.

ist. Denn Scherira, die glaubwürdigste Quelle für die jüdisch-babylonischeGeschichte, läßt au einer Stelle gelegentlich die Aeußerungen fallen, daß noch inder nachtalmudischen Zeit, zur Zeit des Perserreiches, die Exilarchen in Ansehenin Babylonien standen. Er, der überhaupt nicht gut von den Resch-Galuta zusprechen ist, berichtet von ihnen, daß sie zur Zeit der Perser tyrannisch herrschten<S. 37): '.v'2 1L>P r.iir> S117.1 'w'ii> p. rr.11 ^S11.

Sehen wir uns nach Namen um, so kommt vor Bostanai, der einen Wende-punkt für die Geschichte des Exilarchats bildet und Zeitgenosse des ChalifenOmar war (vergl. weiter), ein Name Kafnai vor. In der Schulam'schen Aus-gabe des 3u.olis.siii wird, aus Nathan Babli's Mittheilungen, eine lückenhafteReihenfolge der Exilarchen ausgeführt, und da heißt es: mw-. Der

Kartier Jephet b. Said, der (1163) eine karelische Traditionskette zusammen-gestellt hat und Anan's Vorfahren aufwärts aufzählt, nennt ebenfalls vorBostanai: Kafnai: 'smcw oi.i> iiori 211 112 rii> 112,2 s'Lvi mi -,2 211nv. Diese aus einer unbekannten Quells geschöpfte Genealogie wird durch eineauthentische Nachricht bestätigt. Zn dem bekannten Gutachten R' Hai's, worindie Geschichte Bostauai's und seiner Söhne erwähnt wird (Rssx. lAsouiiuLokssrs 2s6.sk p>. 3s Ho. 17) heißt es: 'si'ii si .11 srnii L"i 'suirw.Hier ist offenbar ein Corruptel, es muß gelesen werden: mini p sm mi.irw.Wir haben demnach sichere Zeugnisse, daß vor Bostanai zwei Exilarchen fungirten:Chaninai und Kafnai. Da Bostanai bei der Eroberung der Araber (um 640)bereits mannbar und also um 600 geboren war, so fällt das Leben seiner Vor-gänger ins sechste Jahrhundert.

5.

Die Jude» Palästinas iu dev vorislamitischen Zeit.

Während Schsrira über die Juden Babyloniens einige, wenn auch dürftigeNachrichten aus der Zeit zwischen dem Abschluß des Talmud und der Entstehungdes GaouatS überliefert hat, verlautet über Judäa in dieser Zeit auch nicht einWort. Nur aus externen Quellen wissen wir, daß Juden zu Vieser Zeit inPalästina wohnten. Diese zerstreuten Nachrichten sollen hier zusammengetragsnwerden. Daß Juden in Liberias, dem Hauptorte der talmudischen Zeit,zahlreich wohnten, erfahren wir aus den christlichen Chronographen Eutychiusoder Jbn-Batrik (10 8sssn1iim; 2kmis1ss s6. ikrososks V. II. p. 212, 220,240). Theophanes nennt einen einflußreichen Juden Benjamin von Liberias ausdem Anfang des siebenten Jahrhundert (vergl. weiter). Liberias war noch imsechsten Jahrhunderts religiöser Mittelpunkt. Das folgt aus dem Sendschreibendes Bischofs Simeon von Bet-Arscham an Simeon, Abt von Gabula (iniksssmsni kiMobli. orisntslis I. 37g). Als der jüdisch - himjaritische KönigDhu-Nowas die Christen von Nagaran bekämpfte, forderte der genannte Bischofdie Christen in Palästina auf, daß die Führer des Judenthums inLiberias gefoltert und gezwungen werden sollten, dem jüdischen Könige zubedeuten, die Christenverfolgung in Himjara einzustellen. Der syrische Textlautet: s:i mi p.iirni p-ös.iu vi'i 2 U 2 i s'ii'i »112 'w'i -m 11 " 2211:1S'1'2.1 N'2 P2 S'21111 s:ns 12221 'I1.1S1 s- 11 . 1 ' S2i!2. Der Einfluß der tiberiensischenGemeinde niuß sich also so weit erstreckt haben, daß der Bischof voraussetzenkonnte, der himjaritische König würde einer Mahnung von dort aus Folge leisten.