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Geschichte der Juden.
zelner Gemeinden standen, waren meistens sittliche Charaktere, vonden edelsten Gesinnungen und zartesten Gefühlen durchdrungen. Wennsie die Ritterlichkeit mit den andalusischen Arabern theilten, so über-trafen sie dieselben an Ehrenhaftigkeit und Edelsinn, die sie immer-noch bewahrten, als die Araber bereits entartet und verkümmert waren.Gleich ihren Nachbarn hatten sie ein stolzes Selbstbewußtsein der eignenPersönlichkeit, das sich in einer langen Namenreihe aussprach; aberdieses Selbstgefühl ruhte auf tief sittlichem Grunde. Sie hatten einenAhnenstolz, und gewisse Familien, wie die Ibn-Esra, Alfachar, Al-nakwah, Jbn-Faljag, Jbu-Giat, Benveniste, Jbn-Migasch,Abulafia und Andere bildeten eine Adelsklasse. Aber sie suchten indem Vorzug der Geburt keine Vorrechte, sondern sahen darin eineVerpflichtung, sich durch Kenntnisse und Edelsinn auszuzeichnen undihrer Ahnen würdig zu sein. Den Bildungsgrad, welchen die Cultur-völker der Neuzeit erst anstreben: das Durchdrungensein von Wissen,Gesinnung und Charakterfestigkeit war unter den spanischen Juden inihrer Blüthezeit heimisch. Ihr religiöses Leben war durch die höhereBildung verklärt und idealisirt. Sie liebten ihre Religion mit derganzen Gluth der Ueberzeugung und Begeisterung; jede Satzung desJudenthums, wie sie die Bibel vorschreibt und der Talmud einschärft,war ihnen im Durchschnitt heilig und unverbrüchlich; aber sie warenebenso weit entfernt von dumpfer Stockgläubigkeit, wie von hirnloserSchwärmerei. Wiewohl sie ihr tiefer Forschungstrieb hart an dieGrenze des Unglaubens führte, so überschritt kaum einer der jüdisch-spanischen Denker diese Scheidelinie, noch fand die ausschweifendeMystik Eingang in ihre Herzen, wenigstens nicht während der Blüthe-zeit. Kein Wunder, wenn die spanischen Juden von ihren Brüdernin den uncultivirten europäischen und außereuropäischen Ländern, inFrankreich, Deutschland und Italien als Wesen höherer Art angestauntund verehrt wurden. Ihre höhere Stellung und ihr eigenes Verdienstmachten sie zu Hauptträgern der jüdischen Geschichte. Die außer-spanischen Gemeinden räumten ihnen gern denselben Vorrang ein, derfrüherden babylonischen Akademien zugestanden wurde. Cordova, Lucena,Granada nahmen bald die Stelle von Sura und Pumbadita ein.
Der officielle Vertreter des Judenthums in Andalus war derschon genannte R' Chauoch (geb. um 940 st. 1014), der seines VatersStelle im Rabbinate einnahm. Ihm ebenbürtig an Talmndkennt-niß, aber überlegen an anderweitigem Wissen war sein RivalJoseph b. Isaak Jbn-Abitur (Jbn-Satanas oder Santas) auseiner der angesehenen andalusischen Familien. Jbn-Abitur war Vers-