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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Saadia's Religionsphilosophie.

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göttliches Eingreifen auf die Wahrheit hätte kommen können? Daraufentgegne ich, daß die Offenbarung deswegen nöthig war, weil ohne siedie Menschheit einen langen Weg hätte machen müssen, um aus eigenemNachdenken sich die Wahrheit klar vorzustellen. Tausend Zufälle undZweifel hätten es verhindern können. Darum hat uns Gott allerdieser Mühen überhoben und uns seine Boten gesendet, die uns Kundevon ihm gebracht und sie durch Wunder vergewissert haben"Z.

Die saadianische Philosophie geht von der Offenbarung als einerunumstößlichen Wahrheit, aus und sucht die Glaubenslehren des Juden-thums durch dialektische Beweismittel zu erhärten. Saadia entwickeltezuerst die Erkenntnißquellen der Wahrheit, wodurch sie gefundennnd erkannt werden könne. Es sind ihrer drei: die vergewisserteSinneswahrnehmung, das unmittelbare Verstandesurtheilund die nöthige Folgerung (die Reflexion). Im Eifer, alle philo-sophischen Gedanken in der Schrift zu finden, brachte Saadia auchVerse als Belege herbei, daß auch die Offenbarungsschriften an diesedrei Erkenntnißquellen appelliren. In dieser Methode sucht er nach-zuweisen, daß die Ergebnisse der vernunftmäßigen Erkenntniß mit denLehren des Judenthums zusammenklingen. Er legte nach zwei Seitenhin Gewicht auf den Satz: daß das Judenthum mit dem philosophischenBewußtsein nicht im Widerspruche stehe. Der stumpfsinnigen, gedanken-losen Menge gegenüber wollte er darthun, daß das Vernunftwidrige,Unsinnige, Abergläubische, wie der Glaube an die Seelenwanderung,nicht im Judenthume lieget, und die philosophisch gebildeten Zweiflerwollte er überzeugen, daß Judenthum und Vernunft nicht in klaffenderUnverträglichkeit zu einander stehen^).

Der Unglaube hatte nämlich im morgenländischen Chalifate inFolge der Philosophenschulen der Mutaziliten solche Fortschritte ge-macht, daß ein arabischer Dichter, ein Zeitgenosse Saadia's, Abul-Ala,der die Gebrechen seiner Zeit geißelte, sagen konnte:Moslemin,Juden, Christen, Magier sind in Jrrthum und Wahn befangen. DieWelt hat nur zwei Gattungen von Menschen: die Einen haben Ein-sicht, aber keinen Glauben, die Anderen sind gläubig, aber ohne Ver-stand"^). In jüdischen Kreisen mäkelten schon Manche an den Be-scheiden der Gaonen und nahmen sie keineswegs mehr wie Orakel-sprüche hin5). Der aufgeklärte Sinn blieb aber nicht bei den Be-

1) Luaunob Einleitung. ") Das. Abschnitt VI. Kap. 7.

°) Das. VII. 7 10. ») Vergl. Weil Chalifen III. 72.

b) Ussx. (Is-ouira Labaars 2säsle Anfang und Lollaars Nsseliubab.Uo. 187. Dieses Rsoxonsum ist auf jeden Fall echt, wenn auch zweifelhaft,ob es von Scherira stammt.