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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Saadia's Philosophie.

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Wie ist aber diese tatsächliche Gegenwart Gottes in allen Dingendenkbar? Oder inwiefern ist er das Leben und die Seele des Welt-alls? Diese Fragen beantwortet Saadia auf eine sonderbare Weise.Gott hat alle Dinge mit feiner Luftströmung durchdrungen und durch-zogen; er selbst stehe mit der Atmosphäre in unmittelbarer Verbindung.So ist er vermöge dieses Aethers in allen Theilen der Welt, dennes giebt keinen noch so harten Körper, der nicht in seinen Poren Luftenthielte. Vermittelst dieser Atmosphäre wirke Gott im Weltall, indemer sie bewege, und diese die Bewegung weiter fortpflanze. So angeschaut,könne das Schriftwort ganz buchstäblich verstanden werden, worin esheißt:Ich (Gott) bin im Himmel oben und auf der Erde unten",und:Alles, was Gott will, thut er im Himmel und auf Erden".Sein Wille wirke in jedem Augenblick mittelst der Luft auf die Dinge,gestalte und verändere sie. Dieses Luftmittel nenne die heiligeSchrift die Herrlichkeit Gottes (Laboä), die talmudischeAusdrucks-weise dafür sei Schechinah, und das Buch der Schöpfung bezeichnees durchGeist des lebendigen Gottes" Vermöge desselben theileGott seinen Auserwählten höhere Erkenntniß mit, und die heiligeSchrift bediene sich dafür des Ausdruckes:Es ruhe auf ihnen derGeist Gottes". Auch Muth und Tapferkeit verleihe Gott vermögedesselben Mittels seinen Berufenen, habe ehemals dadurch seine Pro-pheten begeistert, seine Offenbarung am Sinai verkündet und alleWunder und Zeichen bewirkt ^). Diese saadianische Auffassung verräthdas mühsame Ringen, das dunkle Räthsel zu lösen, wie Gott erhabenüber die Welt und doch jeden Augenblick eingreifend in ihre Werkstättezu denken sei. Dem unreifen Lebensalter gehört auch Saadia'swunderliche Spielerei, die Zehngebote mit den zehn Grundeigen-heiten der Dinge aus der aristotelischen Philosophie in Verbindungzu bringen °).

Diese unreifen Gesichtspunkte hat Saadia bei dem Aufbau seinerReligionsphilosophie (Lmunot rve-veot) einige Jahre später (934^)ganz fahren lassen, so daß sich keine Spur mehr davon findet. Er ver-faßte dieses religions-philosophischeWerk, um den irrtümlichen Ansichtenseiner Zeitgenossen über die Bedeutung des Judenthums zu begegnenund sie zu berichtigen, einerseits wegen der Ungläubigen und Zweifler,welche dem Judenthum den Boden entzogen, und andererseits' wegen

>) Commentar zum Lslsr cksrärab, (handschriftlich arabisch und hebräischeUsbersetzung in mehreren Bibliotheken) zu Abschnitt IV. Us.1s.obak 1. (Derarabische Commentar wurde edirt von Lambert, Paris 1891 (H.).j

2) Das. zu I. 1., mitgetheilt von Dukes Us.obs.1 Lsäuraiva S. 3, Note.

Note 20.