Saadia.
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wirken, welches durch die eigenthümliche Schriftauslegnng die tal-mudische Tradition Lügen strafte. Er hoffte dagegen durch diesesEindringen i» Ansdruck und Sinn der heiligen Urkunden die Ueber-liefernng und das talmudische Jndenthnni begründen und bewahrheitenzu können. Endlich wollte Saadia dem Volkswahne und der Ver-kehrtheit der Mystiker entgegenarbeiten, welche die biblischen Aeußernngenvon Gott buchstäblich nahmen und unwürdige Vorstellungen von derGottheit hatten, als von einem körperlichen Wesen, das Sinnesorgane,Bewegungen im Raume, Affekte und Leidenschaften besitze. Er aberhuldigte der philosophischen Richtung, welche Gott in seiner Erhaben-heit und Vollkommenheit als Geist anffaßt. Seine Uebersetznng sollteim Einverständniß mit der Vernunft und der talmudischen Traditionsein. Das war der Grnndkern seiner Ansicht vom Jndenthume. Das,was der Talmud lehrt und einschärft, sei eben so göttlicher Naturwie das Schriftwort; aber weder die Schrift noch die Traditiondürften der Vernunft widersprechen. Der Widerspruch ist nach Saadia'sAuffassung nur Schein ; durch seine Uebersetznng und Erklärungswcisesuchte er diesen Schein zn beseitigen. Zu diesem Zwecke bediente ersich der Umdeutnng des Wortsinnes, welche oft nicht ohne Willkürnnd Gewalt geschieht. Saadia ging so weit zu behaupten — nmnicht ein böses Princip, den Satan, Gott gegenüber zn stellen, wiedas Christenthnm es thnt — daß der Satan, welchen der Dichterdes Buches Hiob als Versucher einführt, nicht eine dämonische Gewalt,sondern ein menschlicher Gegner des frommen Dulders gewesen sei.„Denn", meinte er, „wollte man annehmen, daß ein Engel von Neidnnd Eifersucht besessen sei, so müßte man auch zugeben, daß er auchandere Leidenschaften nnd sinnliche Begierden hat, was dem Begriffevon Engel widerspricht"*). Wie Saadia der erste Rabbanite war,der einen Kampf gegen das Karäerthnm eröffnete, so ivar er auchder erste, der das Jndenthnni mit den Ergebnissen des philosophischenDenkens in Einklang zu bringen suchte (rationalisirte). Er hielt seineUebersetzungsthätigkeit für so verdienstlich, daß er hoffte, dadurch vonGott Vergebung seiner Sünden und Anthcil an der jenseitigen Glück-seligkeit zu erlangen -). Der arabische Styl, den er bei der Ueber-setzung anwendete, ist rein und zierlich. Er zeigte auch darin eineMeisterschaft, daß er öfter in der Uebersetznng solche arabische Wörterwählte, die lautlich deip Hebräischen entsprechen. Saadia schrieb auch.
U Vorgl. das Fragment aus Saadia's Hiob-Commentar in Munk's iUoticssrrr Laaäias x. 8.
2 ) Schluß zur Psalinübersetzung, vergl. Note 20.