Das Karäerthum.
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wieder Mißhelligkeiten, welche eine solche Zerrüttung hervorbrachten,daß das suranische Gaonat zwei Jahr ohne Oberhaupt war <837—39 Z.Der eigentliche Hintergrund aller dieser Zerwürfnisse ist für uns nochin Dunkel gehüllt, aber sicherlich hatte das Karäerthum Antheil daran.So sehr auch die Rabbaniten das karäische Bekenntniß haßten, ver-ketzerten und sich gegen dasselbe abschlossen, so nahmen sie doch Manchesvon ihm auf oder thaten es ihm nach ^).
Wenn Anan's Sekte den Samen der Zwietracht bis in die alt-ehrwürdigen Hallen der Lehrhänser getragen hat, so war sie selbstnoch weniger frei davon. Der Grundsatz, den das Karäerthum audie Spitze seiner Lehre stellte, die unbeschränkte Freiheit der Schrift-forschuug und das Regeln der religiösen Praxis nach den gefundenenResultaten der Forschung, brachte die Erscheinung hervor, daß fastjeder selbständige Karäer ein eigenes Jndenthum ausstellte, je »achden Ergebnissen seiner Schrifterklärung. Die religiöse Praxis warbedingt von guten oder schlechten Einfällen der Schrifterklärer. Außerdemmar die Schriftauslegung noch in ihrer Kindheit; die Keuntniß derhebräischen Spracherscheinung'en, die Grundlage einer gesunden, sinn-gemäßen Exegese, wqr dürftig; der Willkür war Thür und Thorgeöffnet. Jeder glaubte im Besitze der Wahrheit zu sein und denAndern, der seine Ansichten nicht theilte, bemitleiden, wo nicht garverdammen zu dürfen. Ein klägliches Bild von dem Zustande desKaräerthums kaum ein Jahrhundert nach Anan, liefern eine derkaräischen Autoritäten, Nissi b. Noach, und die neuen Sekten, diesich aus dem Schoße des Karäerthums herausgebildet haben. —Nissi b. Noach, der auch R' Acha hieß (blühte um 850 ^), erzähltin seiner Selbstbiographie, wie er ein herbes Geschick erfahren, seineEltern früh verloren und auch um die Hinterlassenschaft derselbengekommen ist. Eine alte Großmutter nahm sich seiner an und speisteihn mit Thränen in den Augen. Herangewachsen, habe er vieleLänder gesehen, Sprachen erlernt, zu den Füßen vieler Lehrer gesessen,bis er endlich nach Jerusalem kam, dem Hauptsitze des Karäerthums.In der heiligen Stadt fand er unter den Karäern „Spaltungen ohneHeilung", die Erklärungen zur Thora meistens fremdsprachlich aramäischoder arabisch geschrieben und von einander abweichend. Ihm selbstwar durch viele Mühe ein neues Licht anfgegangeu, und er fand,daß er bisher nicht nach „Vorschrift der Thora" gelebt habe. Seine
Scherira das.
2) Vergl. Note 23, II.
sVergl. Ersch, Encyclopädie B. 33, S. II ff. (H.)j
Vergl. über denselben Note 17, V.