Druckschrift 
5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
Entstehung
Seite
96
Einzelbild herunterladen
 

96

Geschichte der Juden.

merkte sich's aber Wohl und theilte seinen Jüngern eine angeblicheOffenbarung mit:Gott hat die Stimme derer gehört, die da sprachen,Gott ist arm und wir sind reich. Ihre Rede wollen wir aufschreibenund ihre Tüdtung der Propheten, und zu ihnen sagen: nehmet diePein des Fegefeuers hin" *). So neckten sich die jüdischen GegnerMohammed's mit ihm herum, legten seinen Aussprüchen und Offen-barungen einen lächerlichen Sinn unter und behandelten ihn weg-werfend, ohne zu ahnen, daß der schwache Flüchtling aus Mekka, derhülfeflehend nach Medina gekommen war, binnen Kurzem ihre Stämmedemüthigen und zum Theil vernichten und über einen großen Theilihrer Religionsgenoffen bis in die entferntesten Zeiten das Looswerfen würde! Sie bauten zu sehr auf ihren Muth und auf ihreStärke und vergaßen, daß der gefährlichste Feind derjenige ist, welchenman allzusehr verachtet.

Mohammed nahm auch Anfangs in schlauer Verstellung dieGeringschätzung der Juden mit scheinbarem Gleichmuthe hin. Ersprach zu seinen Gläubigen:Mit dem Volke der Schrift iJuden)streitet nur auf anständige Weise und saget: wir glauben an das,was uns, und an das, was euch offenbart ist. Unser Gott und euerGott ist nur Einer, und wir sind ihm ganz ergeben"Gebet denSchriftbesitzern weder Recht, noch strafet sie Lügen," soll er seinenJüngern eingeschärft haben. Aber für die Dauer konnte dasVerhältniß nicht in den Schranken der Duldung bleiben. Von dereinen Seite gaben sich die Juden Mühe, ihm seine Gläubigen abwendigzu machen, selbst seine treuesten Gefährten Omar, Hudseifa und Maad^).Es gelang ihnen auch, den ersten Mann in Medina, den Chazra-giten Abdallah Jbn-Ubej, welcher auf dem Punkte stand, zumKönige dieser Stadt erwählt zu werden und durch Mohammed's An-kunft in den Schatten gestellt wurde, so sehr gegen ihn einzunehmen,daß er bis an sein Lebensende Opposition gegen Mohammed machte.Von der anderen Seite drangen seine Gläubigen in ihn, sich bestimmtdarüber auszusprechen, wie er es mit dem J'udenthume halte. Siesahen, daß seine Anhänger unter den Juden noch fortfuhren, diejüdischen Gesetze zu beobachten, sich des Kameelfleisches zu enthalten,und fragten ihn:Ist die Thora ein göttliches-Buch, so laßt unsauch deren Vorschriften befolgen" ^). Da Mohammed zu sehr Araber

*) Koran Sura 3, t82.

-) Das. Sura 29. 46.

2) G'alalein bei Naraeoio das. 122.

Weil das. 90, Note IIS. Vergl. llllisoxbanss ObronoZraxlris, all.Dann I. L1I.