Die europäischen Länder.
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Ostgothen, Gepiden, Heruler und Langobarden rissen der römischenBuhlerin die Krone vom Haupte und traten sie in den Staub. Siewar viel unglücklicher als Jerusalem, da sie nicht einmal Kinder hinter-ließ, welche um ihr trauriges Geschick weinten und ihren Schmerzdichterisch verklärten. Ihre Kinder, durch Müssiggang und Spiele ver-weichlicht, waren zu Bettlern herabgesnnken. Nur die Herrschsuchtwar noch der Siebenhügelstadt geblieben, aber sie hatte sie ihrer ehe-maligen Feindin, der Kirche, vererbt.
Von einigem Interesse ist nur noch, wie sich die Juden in deneuropäischen Staaten angesiedelt und wie sie unangefochten, fried-lich und in freundlichem Verkehr mit ihren Nachbarn gelebthaben, bis sie die siegreiche Kirche immer mehr eingeengt und ihnendie Lebenslust abgeschnitten hat. Im byzantinischen Reiche, imostgothischen Italien, im fränkischen und burgundischen Gallien,im westgothischen Spanien, überall stoßen wir auf dieselben Er-scheinungen. Das Volk, selbst die Barone und Fürsten sind ganzentfernt von Unduldsamkeit, haben keinerlei Antipathie gegen die Juden,verkehren mit ihnen ohne Vorurtheil; aber die höhere Geistlichkeit sahin dem Wohlstand und Behagen der Juden eine Schmälerung desChristenthums. Sie will durchaus den Fluch zur Wahrheit machen,den der Stifter des Christenthums über die jüdische Nation angeblichausgesprochen hat, und jeder judenfeindliche, engherzige Gedanke einesKirchenvaters gegen dieselben soll durch Verkümmerung ihrer Existenzbuchstäblich in Erfüllung gehen. Auf Concilien und Synoden beschäftigtdie tagende Geistlichkeit die Judenfrage ebenso lebhaft wie die Dogmen-streitigkeit und die einreißende Verhöhnung der Sittlichkeit, welche trotzder kirchlichen Strenge und der Kräftigung der Religiosität (oder viel-leicht in Folge derselben) immer mehr unter Geistlichen und Laienüberhand nahm.
Eigenthümlich ist es aber, daß gerade die römischen Bischöfe,die sich immer mehr als Hort der Christenheit geltend machten, unterallen andern die Inden am duldsamsten und mildesten behandelten.Die Inhaber des päpstlichen Stuhles setzten einen Ruhm darein, dieJuden vor Unglimpf zu schützen und Geistliche wie Fürsten zu er-mahnen, dem Christenthum keine Anhänger durch Gewalt und Druckzuzuführen. Diese Milde war im Grunde eine Jnconsequenz; denndie Kirche mußte, wie sie sich in Folge des nicäischen Concils aus-gebildet hat, ausschließend, daher verfolgungssüchtig und hartherzig sein.Sie konnte nicht anders als zu Juden, Samaritanern und Ketzernsagen: „Glaubet so, wie ich glaube oder sterbet." Das Schwertmußte den Mangel an Ueberzeugungsgründen ersetzen. Aber wer