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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
Entstehung
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XVII
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Einleitung.

XVII

heimathlos hat er sich vielmehr ein geistiges Vaterland geschaffen.Dieses Alles führt die jüdische Geschichte der nachtalmudischen Zeit? in unverkennbaren Zügen vor Augen. Sie kennt kein Mittelalter im! gehässigen Sinne des Wortes, das mit den Merkmalen der Geistes-dumpfheit, der ungeschlachten Rohheit und des Glaubenswahnes- behaftet ist, sondern sie hat gerade in dieser Zeit, in dieser wider-lichen Umgebung die glänzendsten Gestalten von Geistesgröße, sittlicherj Idealität und Glaubenslauterkeit einznreihen. Wenn eine Religionj nach dem Verhalten ihrer Hauptvertreter und Träger beurtheiltj werden sollte, so müßte dem Judenthum, wie es sich vom zehnten

^ bis zum dreizehnten Jahrhundert gestaltet, die Palme gereicht

werden. Viele Gaonen Babyloniens und die meisten RabbinenSpaniens und Frankreichs können, so weit Streben nach Wahrheit.und sittlicher Größe gewürdigt werden, für alle Zeiten und Kreiseals Muster menschlich erreichbarer Vollkommenheit aufgestellt werden.

^ Die Rabbinen dieser Zeitepoche waren nicht einseitige, verdumpste^ Talmudisten, sondern gediegene Persönlichkeiten mit hohem Geistes-adel, Pfleger der Wissenschaften, oft Aerzte und nicht selten Rätheund Führer der Fürsten. Allerdings war diese große Zeit nichtfrei von Fehlern und Schwächen, welche den Führern oder Ge-meinden anhaften und die unparteiische Geschichte darf sie nichtverschweigen aber sie treten gegen die großen Tugenden biszur Unmerklichkeit zurück.

Will man die diasporische Geschichte der Juden näher charak-r terisiren, so kann man nichts Anderes von ihr sagen, als daß sie

j vorherrschend eine Cnlturgeschichte ist, die nicht einzelne

hervorragende Geister zu Trägern hat, sondern ein ganzes Volk.Geistige Bewegungen, die irgend wo aus seiner Mitte hervorgingen,interessirten und ergriffen den ganzen jüdischen Stamm in den! entferntesten Gemeinden. Die dichterischen Gebetweisen, welche

i jüdische Sänger in Judäa oder Babylonien, am Rhein, oder Guadal-

^ quivir erklingen ließen, wurden ohne ^behördlichen Zwang, ohne

s hierarchische Reglements und Vorschriften bald Gemeingut fast

!> sämmtlicher Gemeinden und Bestandtheile des Gottesdienstes. Schrift-

!j werke von bedeutendem Inhalte, von einer begabten Persönlichkeit

^ erzeugt, wurden in allen Ländern der Diaspora abgeschrieben, ge-

,. lesen, studirt und zum Lebensinhalte gemacht. Wenn einst die

!i Weissagungen der jüdischen Propheten in Erfüllung gehen, daß