Druckschrift 
4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
Entstehung
Seite
444
Einzelbild herunterladen
 

444

Geschichte der Juden.

mit der Lesart: .iwr.-, . . . 'rn-nnw, bedeuten: er habe in Nahardea einen

Schaltmonat eingesetzt, weil eine ganz bestimmte Halacha vorschreibt: die Ein-schaltung dürfe nur in der Landschaft Judäa vorgcnommen werden, in Galiläahabe dieser Akt allenfalls als kalt aeoomplr Gültigkeit, außerhalb Palästinasdagegen sei er null nur nichtig: .mm mim- cm, .nrnm (mw.-i rm) pnoimxll (Isrusoüal. 8z-nlrsärill I. p. 19. a. Parallelst. dlsäariw VII. x. 9. a.;diese Bora'tta ist unvollständig wiedergegeb en in Vosilta 8xnd. II. und üadlidas. p. 11.). Der jerusalemische Talmud weiß daher auch gar nichts davon,daß Akiba je die Einschaltung in Nahardea, d. h. im Auslande, vorgenommenhätte. Er bemerkt nämlich daselbst: Zur Zeit der Noth dürfe man allenfallsdiese Funktion auch im Auslande ausüben; so hätten der Prophet Ezechielund Jercmia's Prophetenjünger Baruch die Jntercalation im Auslande voll-zogen, und ebenso Chananja, Neffe R. Josua's, allerdings widergesetzlich.R. Akiba wird aber keineswegs als Beispiel angeführt. Nur der babplonischsTalmud deutete die Nachricht: nw'.n . . . mima-o in der Art, daß R. Akibaselbst in Babylonien intercalirt hätte, legt es jenem Chananja in den Mundund entschuldigt dieses ungesetzliche Thun damit: weil kein Ebenbürtigerdamalsin Judäa geblieben wäre, diese Funktion auszuüben (Lsraolrot 61. a.): irm

It> aw'in xo:,?: .n:evi r-'.u -ION (xnm '1 ll.n?

I,i:oo N'M nbr- n:.i. Dieser Passus im Dialoge zwischen

Chananja und den Abgeordneten Palästinas, welche gekommen waren, dessenwiderrechtliche Festkalenderoidnung in Babylonien zu vereiteln, fehlt natürlichim Jeruschalmi.

Weil die Tossafisten nach dem Vorgänge des babylonischen Talmud dieBezeichnung .uw' im-, als wirkliches Jntercaliren und nicht als Bezeugungvon der Jntercalation aufgefaßt haben, stießen sie auf einige Widersprüche imTalmud, die sie entweder gar nicht oder nur schlecht zu lösen vermochten.Denn.es wird tradirt, daß auch R. Me'r'r dasselbe in Asien, was R. Akibain Nahardea gelhan hat: (.mouo) .mm ir-i -i.-m imm "w .imzir: (I'o8iltaLIsZIIIg. II. Ir. Llstz'iUa. p. 18. d.). Dasselbe wird von Chija bar Sarnukiund Simon b. Jehozadack (III. Jahrh.) erzählt (8^ulrsärin p. 26 a.): n-mn-o'-o .iw' n.i piri.i' p '11 'pnm 10 . DiesesAsia" galt auch

im Talmud als Ausland svergl. Tossafot das. 11- d.). Allein die Schwierigkeitfällt von selbst, wenn man annimmt, daß weder R. Merr, noch Chija undSimon in Asien, noch Akiba in Nahardea selbst intercalirt haben, sondern daßsie Sendboten. Aposteln waren, um den Gemeinden dieser Länder die injenen Jahren für nothwendig erachtete Einschaltung eines Monats anzuzeigen.Wir hätten auf diese Weise im Talmud die Bestätigung der Tradition derbeiden Kirchenväter gefunden, daß Synhedristen, angesehene, gelehrte Männeraus dem Kreise der Patriarchen von diesen als Sendboten delegirt wordensind, wenigstens den Festkalender zu notificiren. Es läßt sich denken, daß dieseSendboten die Gemeinden auch mit den halachischen Beschlüssen des Synhedrionbekannt gemacht und ihnen die Modalitäten für die Praxis auseinandcrgesetzthaben Nur dadurch läßt sich auch die Erscheinung erklären, wie die Syhedrial-beschlüsse rnin , so schnell Gemeingut der außerpalästinensischen

Gemeinden werden konnten; sie wurden ihnen durch Sendboten zugebracht.Auch bei dem schismatischen Versuch Chananjas, von Babylonien aus dieFestordnung zu bestimmen, finden sich in f. Usclarin VII., p. 19. d., 8)-nIr. I.x- 19. a., Lsraoüot 61. a. d. Sendboten. Die letztere Fassung ist augen-scheinlich eine Ueberarbeitung in Dialogform; doch enthält sie auch stimmt-