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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

schon aus diesem Grunde kann es nicht in der Hasmonäerzeit spielen, in welcherJerusalem und der Tempel den Vordergrund bildeten.

Die zweite Bemerkung betrifft den Namen von Nebuchadnezars FeldherrnOlophernes. Man hat viele unglückliche Versuche gemacht, diesen Namen zudeuten; ich erinnere nur an dis Deutung von Hugo Grotius irm liolor

serpentis!!! Man hat die Klänge aus dem Persischen oder Indischen herbei-gezogen, als wenn der Vers, ein sprachvergleichender Indogermanist wäre. DerName eines historischen Feldherrn ist Olophernes allerdings nicht, sonst lägedem Vers. Nebusaradan viel näher. Er hat also wohl damit etwas andeutenwollen wie mit dem Namen Achior, dem Heiden, der den Juden das Wortredet. Ich möchte auch eine Deutung zum Besten geben. Wenn dabei an eineFremdsprache gedacht werden soll, so lag den palästinensischen Juden dasGriechische viel näher als das Arische. Die Rettung durch Judith ist auchagadisch oder halbagadisch bearbeitet worden, und es bleibt noch zu untersuchen,wie sich diese Bearbeitung zum Original verhält. Diese agadische Judith spieltallerdings in der Hasinonäer-Zeit (vergl IsIIinek Lst üa-Nülrasolr I S13» fg. und Einl. S. XII fg.) In der Erzählung, welche daS SammelwerkLvovi niv.i davon erhalten hat (zu Oüanuüa.) heißt der Feldherr oder KönigKann man nicht dabei an ein griechisches Compositum Olonopvy?ganz geil" denken? Als geil wird Olophernes rm Judithbuche geschildert(>2, 16), auf Schändung von Jungfrauen spielt auch das Gebet 9, 2 an.

Es kommt aber dabei auf die Tendenz der Dichtung an. Ich kann michnicht mit Volkmar's Ansicht befreunden, daß das Judithbuch einen Hymnusbildet, gedichtet zur Erinnerung an die Erlösung von Quietus' Grausamkeiten.Denn welcher Schriftsteller wird maskirte Personen auftreten lassen, wenn ermit der Erzählung faktischer Begebenheiten einen größeren Eindruck hervor-bringen kann? Man muß sich fragen, wozu die ganze Maskerade von fingirtenPersonen? Mir scheint das Buch Judith eine ähnliche Tendenz zu haben, wie dasBuch Esther und das sogenannte dritte Makkabäerbuch (vergl. B. III. Note 3.S. 441 fg). Es will das Gottesvolk vor Verzweiflung warnen und es darauf Hin-weisen, daß Gott durch Schwache eine unerwartete Errettung herbeiführen könne,wo die Kraft nicht ausreicht. Es wollte vielleicht auch einen Wink geben, wie demBedränger ldem geilen Olophernes-Quietus?) beizukommen wäre, wie sich einjüdisches Mädchen opfern wollte, ihn durch ihre Reize zu berücken und unterUmarmungen ihm den Garaus machen. Der Dränger bedrohte nicht Jerusalem,sondern hatte seine Heere in die Ebene Jesreel oder Esdrelom versammelt,wollte aber von da aus ins Herz des Landes über das Mittelgebirge, dasKönigsgebirge (nrbr> -vi-) nach dem Süden dringen. Der Vers, wollte durchFiction angeben, wie der Feind daran gehindert werden könnte, wenn sich einekleine Festung, die einen Engpaß beherrscht, anstrengte, ihm den Durchzug zuwehren. Ich meine, daß durch diese Auffassung alle Theile des Buches zuihrem Rechte kommen; sie erscheinen dadurch wohl gegliedert und es ist nichtsüberflüssiges Beiwerk daran. Die allerdings nicht gewichtlose Frage, welcheLipsius aufgeworfen hat: Warum denn die Synhedrialstadt Jabne im Judith-buche als eine heidnische gilt, wenn es zur Zeit des Quietus gedichtet ist, dieseFrage verliert ihr Gewicht, wenn man annimmt, daß der Verf. nicht diedamalige Gegenwart treu abkonterfeien, sondern sie in einem Nebelbild ausder Vergangenheit zeigen wollte.