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Geschichte der Juden.
scharfe Verwarnungen gegen die abergläubischen, heidnischen Praktiken,(varlre ^woi'i), denen ein eigener Abschnitt unter dem Namen P erekl"morai gewidmet war*).
Was den babylonischen Talmud besonders charakterisirt, und ihnvon dem judäischen oder jernsalemischen unterscheidet, ist der Ge-dankenflng, die Verstandesschärfe, die Geistesblitze, die aufzucken undwieder verschwinden. Eine unendliche Fülle von Gedanken und Ge-dankenanregendes ist in den Schacht des Talmuds niedergelegt, abernicht wie ein fertiges Thema, das man sich halbschlafend aneignenkönnte, sondern mit dem frischen Colorit ihrer Entstehung. DerTalmud führt in die Werkstätte des Denkens ein, und man kann inihm die Gedanken verfolgen, von ihrer ersten Regung an bis dahin,wo sie sich zuweilen in schwindelnder Höhe bis zur Unbegreiflichkeiterheben. Aus diesem Grunde wurde er mehr als der jerusalemischedas Grundbesitzthum des jüdischen Volkes, sein Lebensodem, seineSeele. Er wurde den folgenden Generationen eine Familiengeschichte,in der sie sich heimisch fühlten, darin lebten und webten, der Denkerin deni Gedankenstoffe, der Gemüthsvolle in den verklärten Ideal-bildern. Die äußere Welt, die Natur und die Menschen, die Gewaltenund Ereignisse, waren für die Generationen über ein Jahrtausendunwichtig, zufällig, ein bloßes Phantom, die wahre Wirklichkeit warder Talmud. Eine neue Wahrheit erhielt in ihren Augen erst dannden Stempel des Wahrhaften und Zweifellosen, wenn sie durch denTalmud belegt und sanctionirt schien. Selbst die Kenutniß der Bibel,die ältere Geschichte ihres Volkes, die Feuer- und Balsamworte ihrerPropheten, die Seelenergüffe ihrer Psalmisten, waren für sie nur durchden Talmud und im Lichte des Talmud bekannt. Aber da dasJudenthnm von seiner ersten Anlage an auf dem Boden des wirklichenLebens beruht, und der Talmud sich folglich mit concreten Erschei-nungen, mit den Dingen dieser Welt beschäftigen mußte, so konntejenes Traumleben, jene Weltverachtung, jener Haß gegen die Wirklichkeitnicht aufkommen, welche im Mittelalter das Einsiedlerleben der Möncheund Nonnen eingeführt und geheiligt haben. Freilich artete die imbabylonischen Talmud vorherrschende Verstandesrichtnng, durch klima-tischen Einfluß und andere zufällige Umstände gefördert, nicht seltenin Spitzfindigkeit und Scholastik aus, wie keine geschichtliche Erscheinungohne Schattenseite besteht. Aber auch der Mißbrauch trug zur klarenErfassung bei und ermöglichte den Aufschwung zur Wissenschaft. Diebabylonischen Amoräer erzeugten jenen dialektischen, haarscharf denkenden
') 8abbat 66. a. g?osikta e. 7. 8.