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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Der Talmud.

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leugnen, daß der Talmud, d. h. der in Babylonien entstandene, miteinigen Mängeln behaftet ist, wie jedes Geistesprodukt, das eine einzigeRichtung mit unerbittlicher Consequenz und ausschließlicher Einseitigkeitverfolgt. Diese Mängel lassen sich in vier Rubriken zusammenfassen.Der Talmud enthält manches Unwesentliche und Kleinliche, welcheser mit vieler Wichtigkeit und ernster Miene behandelt; er hat ferneraus seiner persischen Umgebung abergläubische Praktiken und An-schauungen ausgenommen, welche die Wirksamkeit von dämonischenMittelwesen, von Zauberei, Beschwörungsformeln, magische Eurenund Traumdeutungen voraussetzen und dadurch mit dem Geiste desJudenthums im Widerspruch stehen; er enthält manche lieblose Aus-sprüche und Bestimmungen gegen Glieder anderer Völker und Religions-bekenner, endlich begünstigt er eine schlechte Schriftauslegung, geschmack-lose, oft wahrheitswidrige Deuteleien. Kein noch so leiser Hauchvon Poesie weht durch seine Blätter, und man muß beim Lesen desTalmuds die Poesie der Bibel vergessen, ihre schmucklose und dochfesselnde Formenschönheit, die lebensvolle Beredsamkeit der Propheten,,den himmelan tragenden Schwung der Psalmen, das gedankentiefeBuch Hiob, das alles muß man vergessen, wenn man dem Talmudnicht grollen und im Groll ihm nicht Unrecht thun will. Für dieseMängel hat man den ganzen Talmud verantwortlich gemacht und ihnals Kleinigkeitskram, als einen Quell der Unsittlichkeit und Unwahr-heit verdammt, ohne in Erwägung zu ziehen, daß er nicht das Werkeines einzigen Verfassers ist, der für jedes Wort einstehen müßte.Ueber sechs Jahrhunderte liegen im Talmud versteinert in anschau-lichster Lebendigkeit, in ihren eignen Trachten, Redeweisen und Ge-dankenzügen, gewissermaßen ein literarisches Herkulanum und Pompeji,

> nicht geschwächt durch künstlerische Nachbildung, welche ein Riesenbildin verjüngtem Maaßstabe auf einen engen Raum überträgt. Es istdemnach kein Wunder, wenn in dieser Welt Erhabenes und Gemeines,Großes und Kleines, Ernstes und Lächerliches, der Altar und dieAsche, Jüdisches und Heidnisches, nebeneinander angetroffen werden.Oft waren solche gehässige Aussprüche, an welche sich der Judenhaßangeklammert, weiter nichts als Aeußerungen eines augenblicklichenUnmuthes, die einem Einzelnen entfahren und von allzu eifrigenJüngern, welche keines der Worte von den verehrten Alten verlorengehen lassen mochten, aufbewahrt und dem Talmud einverleibt wurden.Sie werden aber reichlich von Lehren des Wohlwollens und derMenschenliebe gegen Jedermann, ohne Unterschied der Abstammungund Religion, die nicht minder im Talmud aufbewahrt sind, ausge-wogen. Als Gegengewicht gegen den wüsten Aberglauben finden sich