Druckschrift 
4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
Entstehung
Seite
381
Einzelbild herunterladen
 

Der Talmud.

381

jüdischen Geist, der die Zerstreuten in den schlimmsten Tagen darVerdumpfung und Verdummung schützte. Es war der Aether, dersie vor Fäulniß bewahrte, die stets bewegende Kraft, welche die Träg-heit und Lähmung überwand, ein ewig sprudelnder Quell, der denGeist immer frisch und regsam erhielt. Der Talmud war mit einemWorte der Erzieher des jüdischen Volkes, und diese Erziehung warkeine schlechte, indem sie allen störenden Einflüssen der Ausnahme-stellung, Erniedrigung und systematischer Entsittlichung zum Trotz imjüdischen Volke einen Grad von Sittlichkeit gepflegt, die dessen Feindeselbst ihm nicht absprechen können. Er hat das religiöse und sittlicheLeben des Judenthums erhalten und gefördert, er hat den zonenweitzerstreuten Gemeinden eine Fahne gereicht und sie vor Zersplitterungund Sektirerei geschützt; er hat den Nachkommen die Geschichte ihresVolkes heimisch gemacht, endlich hat er ein tiefes Gedankenleben erzeugt,die Geknechteten und Gebrandmarkten vor Verdumpfung bewahrt undfür sie die Fackel der Wissenschaft angezündet. Wie sich der Talmudin das Bewußtsein der jüdischen Nation hineingelebt und den entferntenGemeinden bekannt und zugänglich wurde, erzählt die Geschichte derfolgenden Zeiten.

Ende des vierten Bandes