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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

Mit diesen Männern vereint vollendeten Rabina und R. Josöden Ausbau des Talmuds, d. h, sie sanctionirten die von ihnenveranstaltete Sammlung aller vorangegangenen Verhandlungen undEntscheidungen als ein Fertig.es und Abgeschlossenes, zu dem keineZusätze und Erweiterungen hinzukommen sollen. Wenn auch spätereEinschiebsel im Talmud angetroffen werden, so charakterisiren sie sichals höchst unwesentlich und sind meist agadischer Natur, durch Spracheund Wendung dem Geübten so sehr kenntlich, daß sie mit den echtenBcstandtheilen nicht leicht verwechselt werden können Z. DergleichenZusätze waren allem Anschein nach ursprüngliche Randglossen, welchedurch die Hand unkundiger Abschreiber die Ehre des Textes erlangthaben. Der Endabschlnß des babylonischen Talmud (auch Gemaragenannt) fällt in das Todesjahr Rabina's (13. Kislew 2. Dec. 499),gerade in das Ende des fünften Jahrhunderts, als ans der arabischenHalbinsel Juden die ersten Keime zu einer neuen Religion und einemneuen Weltreiche legten, in Europa aus den Trümmern des altenRom gothische und fränkische Königreiche entstanden. Der Talmud bildeteinen Wendepunkt in der jüdischen Geschichte und wird von jetzt anein wesentlicher Factor derselben.

Der Talmud ist nicht als ein gewöhnliches Schriftwerk, auszwölf Bänden bestehend, zu betrachten, hat überhaupt mit keinemeinzigen Literaturerzeugniß irgend eine innere Aehnlichkeit, sondernbildet, ohne Redefigur, eine eigene Welt, welche nach ihren eigenenGesetzen beurtheilt sein will. Es ist darum so außerordentlich schwer,eine Characteristik desselben zu entwerfen, weil dazu alle Maaßstäbeund Analogien fehlen. Sie dürfte daher kaum dem Begabtesten ge-lingen, wenn er auch tief in dessen Wesen eingedrungen und mit dessenEigenthümlichkeiten innigst vertrant wäre. Allenfalls könnte man ihnmit der Literatur der Kirchenväter vergleichen, die sich zur selbenZeit gebildet hat. Allein bei näherer Betrachtung fällt auch dieserVergleich weg. Es kommt hier aber auch weniger darauf an, wasder Talmud an sich ist, sondern was er in der Geschichte d. h. fürdie nachfolgenden Generationen war, deren Erziehung er hauptsächlichgeleitet hat. Man hat den Talmud vielfach und zu verschiedenenZeiten ans den entgegengesebtesten Gründen verurtheilt, den Stabüber ihn gebrochen und Scheiterhaufen für ihn angezündet, Iveil mannur seine Schattenseite in's Auge gefaßt hat, ohne ans seinen WerthRücksicht zu nehmen, der allerdings erst durch den Gesammtüberblicküber die ganze jüdische Geschichte an's Licht tritt. Es ist nicht zu

') Xersm Lbemecl Jahrgang 1841. S. 249 ff.