Die jüdisch-indische Colonie.
375
wöhnen; er wird daher gleich Hadrian von der jüdischen Nachweltmit dem Namen „der Böse" (kirur Ilesellia) gebrandmarkt Z.
Die nächste Wirkung dieser Verfolgung waren Auswanderungenjüdischer Colonien und Verbreitung derselben südwärts bis Arabienund ostwärts bis Indien. Wiewohl auf der ganzen arabischen Halb-insel von jeher jüdische Stämme wohnten, und, wie später erzähltwerden wird, unabhängige kleine Republiken bildeten, so erhielten sieerst durch die neuen Ankömmlinge aus Babylonien das ausgeprägtereligiöse Leben, talmudische Kenntnisse, und dadurch auch eine höhereGesittung. Die Auswanderung der Inden nach Indien wird aus-drücklich um die Zeit der Firuzischen Verfolgung angemerkt. Einsonst Unbekannter, mit Namen Joseph Rabban (schon durch diesenTitel als Babylonier kenntlich), kam mit vielen jüdischen Familien andie frucht- und handelsreiche Küste Malabar im Jahre 4250 derjüdischen Zeitrechnung, muß demnach früher die Reise unternommenhaben, und also unter Firuz ausgewandert sein. Der bramanischeKönig Airvi (Eravi) von Cranganor nahm die jüdischen Ankömmlingefreundlich auf, schenkte ihnen in seinem Lande Wohnsitze und erlaubteihnen, nach eigenen Gesetzen zu leben, und von ihren eigenen Häuptlingen(M ardeliar) regiert zu werden. Ihr erster Häuptling war ihr FührerJoseph Rabban, welchem der indische König besondere Rechte undfürstliche Ehren, erblich für seine Nachkommen, gewährte. Er durftegleich den indischen Fürsten auf einem Elephanten reiten, unter Musik-begleitung von Trommeln und Zimbeln einen Herold vor sich hergehenlassen und auf Teppichen sitzen. Joseph Rabban soll eine Reihe von72 Nachfolgern gehabt haben, welche die indisch-jüdischen Colonistenregierten, bis Streitigkeiten unter ihnen entstanden, viele derselbenumkamen, Cranganor zerstört wurde und der Rest sich in Mattachery(eine Stunde von Cochin) ansiedelte, welches davon den Namen Jnden-stadt bekommen hat^). Die Privilegien, welche Airvi den jüdischenAnkömmlingen ertheilt hatte, wurden in eine Erztafel mit altindischen(tamulischen) Schriftzügen und einer schwerverständlichen hebräischenUebersetzung eingegraben, welche sich noch heutigen Tages vorfindet ^).
Der Inhalt der kupfernen Tafel, Chempeada genannt, lautet:„Swastri Sri, der König der Könige hat es verordnet! Von JussufRabban und seinem Volke erhalten wir den Tribut der nuferer
Obniin 62. a. S. Note l.
2) Vergl. Ritter's Erdkunde Theil 5. S. 595. ff. nach den an Ort undStelle angestellten genauen Forschungen non Buchanan.
°) Ein Facsimile der Inschrift dieser Erztafel befindet sich in der Universitäts-Bibliothek zu Oxford.
>