Ä renmdLwanLig stes Kapitel.
Fünftes Amora-Geschlecht. Exilarch Mar-Sutra. Schulhäupter Mar bar Aschiund R. Achi aus Difta. Sinken der babylonischen Lehrhäuser. Verfolgungder Juden unter Jesdigerd III.
(427 - 468 .)
Sechstes und letztes Amora-Geschlecht. Exilarchen Huna Mari und R. Huna,Schulhäupter Nabina von Sura und R. Joss von Pumbadita. Ver-folgung der Juden unter Firuz. Auswanderung jüdischer Colonisten nachIndien. Jüdisches Vasallenreich in Cranganor. Abschluß des babylonischenTalmud. Geist und Bedeutung desselben.
(468 — 500 )
Im Verlaufe des fünften Jahrhunderts fand das römischeReich, in so weit es an Rom oder das dasselbe vertretende Ravennaoder Mailand geknüpft war, seinen völligen Untergang. Die Thei-lung desselben in zwei Präfecturen mit zwei gegen einander eifer-süchtigen Höfen, die Stöße, welche ihm junge Völker mit frischenKräften wiederholendlich und von allen Seiten versetzten, zerschlugenes in Trümmer, aus welchen sich neue Königreiche mit neuen Be-strebungen und Interessen bildeten. Wie die alte Welt durch dieseVorgänge ihr Ende fand, ebenso schloß das Judenthum in dieserZeit sein Alterthum ab und trat in eine neue Richtung. Auch inBabylonien, wo die Juden bisher eine nur selten gestörte Ruhe undSelbstständigkeit genossen, häuften sich Leiden und Verfolgungen, unddiese Drangsale legten den Führern des Judenthums die Noth-wendigkeit auf, das Erbe der Väter in Sicherheit zu bringen. DiesesErbe war der Talmud, in welchen Alles niedergelegt war, was diejüdische Nation seit dem Abschnitt der biblischen Literatur gefühlt,gedacht, erstrebt und geleistet hat. Ein merkwürdiges Zusammen-
treffen fand hierbei statt, welches zwar den Charakter des Zufallesan sich trägt, aber doch einen höheren Zusammenhang ahnen läßt.Ter Talmud im weitern Sinne, der seinen Ausgangspunkt vonHillel I. hat, begann gerade mit der Umwandlung der römischenRepublik in das Kaiserreich unter Augustus und erhielt seinen Ab-schluß zugleich mit dem Untergang des römischen Reiches unter Romu-lus Augustulus. Diese Zeit des Abschließens ist im Vergleich zur