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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Ausnahmestellung der Juden im römischen Reiche. 365

nicht mehr, sie überboten sich an Entsagungen. Sich der brennendenHitze, der erstarrenden Kälte mit "bloßem Leibe ausznsetzen, ans einerschmalen, in die Lust hochragenden Säule unbeweglich zuzubringen,galt als ein hochheiliges, gottseliges Leben. Am weitesten brachte esin diesem Kasteiuugssystem eben dieser Simeon, der Stylite, undwurde daher auch als ein besonderer Heiliger verehrt. Aber wiewohler auf seiner Säule der Welt und ihrem Treiben entsagt hatte, sowar der Judenhaß doch Grund genug für ihn, sich in weltliche An-gelegenheiten zu mischen. Kaum erfuhr er den Befehl des KaisersTheodosius von der Zurückgabe der geraubten Synagogen, so richteteer ein beleidigendes Schreiben an den Kaiser, ließ ihn wissen, daß ernur Gott allein und sonst Niemand als Kaiser und Herrn anerkenne,und drang darauf, das Edikt zurückzunehmen. Bei Theodosius be-durfte es gar nicht so vieler Einschüchterungsmittel, er widerrief denBefehl und setzte sogar den syrischen Präfekten ab, der den Judendas Wort geredet hatte (423

Die Bigotterie des morgenländischen Kaisers Theodosius II.wirkte auch auf den abendländischen Honorius nud beide haben durchalberne Gesetze die Juden in diejenige Ausnahmestellung gebracht,in welcher die neuerstandenen germanischen Staaten sie vorgefnndenhaben. Die Juden wurden zu keinem Staatsamte, zu keiner mili-tairischen Funktion zugelassen, welche sie früher genossen hatten; nurdie zweideutige Ehre städtischer Aemter wurde ihnen noch gelassen^).Aber nicht zufrieden damit, ihnen die Gleichberechtigung entzogen zuhaben, verkümmerte ihnen Theodosius die freie Verwendung ihresEigenthums zu religiösen Zwecken, als wenn das Vermögen der Judenkaiserliches Eigenthum wäre. Nach dem Erlöschen des Patriarchen-hauses hatten die jüdischen Gemeinden nicht aufgehört, die Patriarchen-steuer nach Gewohnheit zu leisten; die Primaten nahmen sie in Empfang,und verwendeten sie höchst wahrscheinlich zum Unterhalt der Lehr-häuser. Mit einemmale erschien ein kaiserliches Dekret, welches denPrimaten bedeutete, die bereits gesammelte Summe der Patriarchen-steuer für den kaiserlichen Schatz auszuliefern, in Zukunft aber dieselbevon kaiserlichen Beamten nach genauer Ermittelung ihres Betrageserheben zu lassen; selbst die vom abendländischen Reiche einlaufendeu

>) Ibsoäorst bistoria seeiss. III. 1. LvaArius b. eool. I. 13. SimeonsSchreiben an Theodosius in syrischer Sprache bei ^.sssmaui Libliotbsea orisn-talis I. p. 254. Die Gesetze Theodosius gegen Synagogenzerstörunz 6 ilbeoä.a. a. O. Z 21 vom Jahre 412. Z 25, 26 vom Jahre 423.

") Ooäsx IRsoll das. Z 24. ^UKUstinns altsroatio soolesiss st s^naZwAkv.