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Geschichte der Juden.
dieselben überfallen und niedergemetzelt haben. Verdächtig wird dieserZug dadurch, daß Orestes diese Missethat keineswegs gerügt, imGegentheil beharrlich auf Seiten der Juden gestanden hat. AberCyrill hatte dadurch Gelegenheit bekommen, seinem ungestümen Cha-rakter freien Lauf zu lassen. Er behauptete, die Vorsteher der IndenTages vorher gewarnt zu haben, keinen Aufstand gegen die Christenanzuzetteln. Darauf versammelte er die christliche Menge, stacheltesie mit seinem übersprudelnden Fanatismus gegen die Juden, drangin ihre Synagoge, nahm sie für die Christen in Beschlag und Vertriebdie jüdischen Einwohner halb nackt aus der ihnen zur Heimath ge-wordenen Stadt; denn ihr Vermögen überließ Cyrill, der kein Mittelverschmähte, der beutelustigen Menge zur Plünderung (415). Ob sichdie Inden ohne Gegenwehr vertreiben ließen, wird nicht erzählt, unddoch ist's wahrscheinlich, daß die Vertreibung nicht ohne Blutvergießenvon beiden Seiten abgelaufen ist. So hatten die Christen den alexan-drinischen Juden das ähnliche Schicksal bereitet, das die Heiden370 Jahre vorher ihnen zngefügt hatten. Der Präfekt, dem dieseGrausamkeit gegen die Juden sehr zu Herzen ging, war ohnmächtig,sie zn schützen; er konnte nur gegen den Bischof Klage führen; aberam Hofe zu Constantinopel behielt Letzterer Recht. Wie groß derFanatismus dieses Bischofs war, läßt sich aus dem ermessen, wasbald nach Vertreibung der Juden in Alexandrien vorgefallen war.Durch die Mönche vom Berge Nitra (unweit Alexandrien), derenDurst nach der Märtyrerkrone sie zu wilden Thieren gemacht hatte,ließ Cyrill den Orestes überfallen und ihn mit einem Steinwnrfe demTode nahe bringen, weil er die Jndenvertreibnng nicht gut heißenwollte. Der Fanatismus der Schüler Cyrill's trieb sie auch zurWuth gegen die, zu ihrer Zeit berühmte Philosophin Hypatia, diedurch tiefe Kenntniß, Beredsamkeit und Sittsamkeit alle Welt bezauberteund Philosophenjünger aus allen Gegenden herbeizog. Die fanatischenUnmenschen, welche Hypatia für die Ursache der Spannung zwischenOrestes und Cyrill hielten, lauerten ihr eines Tages auf, schlepptensic zur sogenannten Kaiserkirche, entkleideten sie schamlos und schlugensie mit Scherben todt. Dann rissen sie dem Körper Glied für Gliedaus und verbrannten sie. Die alexandrinischen Juden durften alsonoch dankbar sein, mit dem nackten Leben davon gekommen zn sein.Wohin sich die exilirten Inden gewendet, und bei welcher Gelegenheitsie wieder zurückgekehrt sind, verschweigt die Quelle. Nur eineinziges Glied dieser unglücklichen Juden, Adamantins mitNamen, ein Lehrer der Arzneiknnde, ließ sich durch das Mißgeschickzur Taufe zwingen; er begab sich nach Constantinopel und erhielt