Vertreibung der Juden aus Alexandrien. 361
dessen Tode, als, wie es scheint, dessen männliche Erben in zarten,Alter gestorben waren (um 425 *j. So waren nach R. GamalielBatraah die letzten Splitter von dem edlen Stamme des Hillel'schenHauses zerstoben. Drei und ein halb Jahrhunderte hatte dieses Hansan der Spitze der geistigen Angelegenheiten des Judenthums gestanden,viele seiner Glieder waren Beförderer der Lehre, der Freiheit undNationalität gewesen, ihre Lebensgeschichte war ein wichtiger Bestand-theil der jüdischen Gesammtgeschichte geworden. Fünfzehn Patriarchenwaren während dieser Zeit aufeinander gefolgt: zwei Hillel, dreiSimon, vier Juda und sechs Gamaliel.
Unter der Regierung des Theodosius im Morgenlande unddes Honorius im Abcndlande durfte es ein Bischof von Alexandrienwagen, die Juden unter Mißhandlungen ans dieser Stadt zu ver-treiben. Es war der Bischof Cyrill, dessen Streitlust, Ungestümund Gewaltthätigkeit berüchtigt, und der ein würdiges Ebenbild desAmbrosius von Mailand war. Die Veranlassung zu diesem hartenExil wird in einer zwar parteiischen, doch glaubwürdigen Quelle weit-läufig erzählt. Alexandrien war von jeher der Schauplatz der Volks-tumulte, durch die vielerlei Nationalitäten hervorgerufen, welche dortzahlreich vertreten waren und sich einander haßten. Das Christenthumbrachte mit seinem Dogmengezänke ein neues Element zu Streitigkeitenhinzu. An einem Sabbat waren die meisten Einwohner im Theaterversammelt, um einem Schauspiel beizuwohnen und zugleich die Be-fehle des Präfecten Orestes zu vernehmen, der sie dort der Mengebekannt zu machen pflegte. Unter den Zuschauern waren auch vieleJuden, die wieder zahlreich in Alexandrien wohnten und, wie derBericht hinznfügt, sich lieber in Schauspiel- als in Gotteshäusern ein-fanden. Als die Juden unter den Christen einen gewissen Hieraxbemerkten, der, streitsüchtig wie sein Lehrer Cyrill, öfter Unruhenhervorgernfen hatte, sollen sie laut gerufen haben, derselbe sei nurerschienen, um das Volk zu einem neuen Tumulte zu Hetzen. DieseAnklage muß wohl Grund gehabt haben, da der Präfekt darauf cin-ging, Hierax festnehmen und ihn auf der Stelle foltern zu lassen.Die Juden sollen sich nun verabredet haben, in der Nacht die Christenzu überfallen und ihnen den Garaus zu machen; als Erkennungs-zeichen sollen sie einen Ring aus Palmenrinde getragen haben. InFolge dieser Verabredung erregten die Juden in der Nacht einenblinden Feuerlärm, als wenn die sogenannte Alexandrinerkirche inFlammen stünde. Als die Christen zur Hülfe herbeieilten, soll man
y Dieselbe Note.