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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

Drei Patriarchen werden noch namhaft gemacht: R. Gama-liel V., Nachfolger Hillel's II., dessen Sohn R. Juda IV. undR. Gamaliel der Letztes. Aber von ihrer Thätigkeit sind nurundeutliche Spuren bekannt. Sie führten zwar noch immer denmehr pomphaften als einflußreichen Titeldie Durchlauchten" mitden dazu gehörigen Privilegien, sie bezogen noch von den Gemeindendes römischen Reiches freiwillige Beisteuer, welche die Sendboten vonden Gemeinden zn sammeln pflegten. Aber ihre Machtbefngniß warbedeutend verringert. Der einzige Einfluß der Patriarchen bestanddarin, daß sie abtrünnige Mitglieder, die durch Ueberrednng, List oderauch freiwillig zum Christenthum übergegangen waren, aus der jüdischenGemeinschaft ausschlossen. Aber nicht einmal dieses Recht mochte dasstolze Christenthnm ihnen einräumen. Die Bischöfe ließen die Patri-archen und die Gemeindevorsteher, die den Namen Primaten führten,durch den weltlichen Arm zwingen, die etwaigen Rechte ausgeschlossenerMitglieder nicht zu verkümmern Theodosius der Große (379 bis395), schützte aber noch die Juden vor deren fanatischen Uebergriffeunachhaltig, wie sehr ihn auch die katholische Geistlichkeit, Ambrosiusund Andere zur Verfolgung der Arianer und anderer Ketzer stachelten.Er erließ ein Gesetz, daß den Patriarchen und Primaten das Rechunbenommen bleiben sollte, über Gemeiudeglieder das Bannurtheil znvollstrecken, und daß sich die weltliche Autorität in die innere An-gelegenheit der Juden nicht einzumischen habe 2). Seine Gerechtigkeitin Betreff der Juden bewies er gegen den Patriarchen Gamaliel V.,welcher sich bei ihm über den Consular Hesychius wegen Erschlei-chung seiner wichtigen Papiere beklagt hatte; Theodosius verdammteden Consular wegen dieses Vergehens zum Tode. Welche Bewandnißes übrigens mit diesen Papieren hatte, ist nicht weiter bekannt^).

Theodosius hatte oft dem Uebermaße des christlichen Religions-eifers zu steuern, welcher Heldenthaten darin suchte, die religiöseAndacht der Juden zu stören, Synagogen zu plündern, einzuäschernoder sie sich anzueignen und in Kirchen zu verwandeln. Die Haupt-fanatiker dieser Zeit gegen die Juden, die mit Ungestüm gegen sicauftraten, waren Johannes Chrhsostomus von Antiochien undAmbrosius von Mailand.

Der Erstere, ans der klösterlichen Einsiedelei zum Predigtamtberufen, donnerte von der Kanzel herab mit seiner schwülstigen undcynischen Beredsamkeit gegen die Juden; er nahm sie geradezu zumThema von sechs hintereinandcrfolgenden Predigten. Die Juden

fl Note 22.

fl 6oäsx Dbsoäosiauus U. XVI. V 8. Z 9. fl Note 22.