Druckschrift 
4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
Entstehung
Seite
346
Einzelbild herunterladen
 

346

Geschichte der Juden.

dieser viereckigen Höhle sei Wasser geflossen, das bis an die Schenkelgereicht; aber in der Mitte derselben habe eine Säule aus dem Wasserhcrvorgeragt. Ans dieser Säule habe sich ein Buch befunden, voneiner feinen und zarten Hülle umgeben. Der Arbeiter, welcher zurUntersuchung an einem Seile in die Höhle gelassen worden, habedieses Buch mitgebracht, es sei frisch und unberührt gewesen, und dieSchrift in großen Buchstaben habe die Worte aus dem Anfang desJohannesevangelium enthalten:Im Anfang war das Wort und dasWort war bei Gott und Gott war das Wort." Natürlich werdenJuden und Heiden von diesem Wunder betroffen gewesen sein; da dieErstern sich aber ans Herzenshärtigkeit noch nicht bekehrten, warenneue Wunder nöthig. Ein furchtbares Erdbeben habe den Grundbandes Tempels gehoben und zerstört, oder nach Andern: ein furchtbarerSturmwind habe Alles der Erde gleichgemacht. Aber auch diesesWunder sei ohne Erfolg geblieben; die Juden hätten die Arbeit wiederausgenommen, daher seien Feuerstammen aus der Erde gebrochen,nach Andern sei das Feuer vom Himmel nieder gefahren und habeArbeiter und Werkzeuge verbrannt. Die Halsstarrigkeit der Judenmachte aber noch ein neues Wunder nöthig. Kleine Krenzesbildchen,nach Einigen strahlend, nach Andern von dunkler Farbe, hätten sichNachts an die Kleider der Inden geheftet, so fest, als wenn sie mitdem Stoff verwebt gewesen wären. Vergebens hätten sich die Judenangestrengt, dieses Zeichen der Gräuel abzustreifen und zu vertilgen;die Kreuzeszeichen wichen nicht. Da hätten die Juden nicht umhinkönnen, denjenigen zu bekennen, der den Tempel zerstört hat, damitsein Wort in Erfüllung gehe, und hätten sich schaarenweise zur Taufegedrängt i). Ein anderer Kirchenschriftsteller jedoch, welcher an derVerstocktheit der Inden mehr Freude hatte, als an ihrer Bekehrung,erzählt: die Inden hätten auch trotz des letzten Wunders in ihrer Ver-blendung verharrt ^).

Der unglückliche Ansgang des Perserkrieges für Julian warauch geeignet, den Juden die kurze Freude zu rauben und den Christeneinen neuen Triumph zu bereiten. Julian hatte die ganze römischeMacht conccntrirt, alle möglichen Hilfsmittel anfgeboten, um seinemGegner Schabur II. nicht nachznstehen. Schabur seinerseits hatte essich zur Aufgabe gestellt, die römische Herrschaft aus Asien zu ver-drängen. Es war ihm gelungen, manche feste Plätze in Mesopotamienden Römern zu entreißen, und Constantins' Schwäche und Schwankenwaren sein bester Hülfsgenosse gewesen. Julian aber träumte den

st Lovrates bistoria soolos. III. 20. 8or:omsn b. o. V. 22.

st llRsoäorst b. o. III. 15.