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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

Geistesspiel von scharfsinnigen Fragen, Antworten, Vergleichungen,Unterscheidungen, der hohe Gedankenflug, der von einem Punkte aus-gehend, mit Blitzesschnelle die Stufenleiter der Schlußreihen durchmißt,diese dialektische Form des Talmuds ist das Produkt des drittenAmora-Geschlechtes. Die Vorgänger Rabba's, Abaji's und Raba'swaren mehr oder weniger Amoräer im ursprünglichen Sinne, d. h.Mischna-Erklärer; dieses Triumvirat hingegen waren Talmudistenim eigentlichen Sinne des Wortes, d. h. Dialektiker. Der Talmud indiesem Sinne war das Erzeugniß der pumbaditanischen und machu-zanischen Schule; in Judäa hatte man kaum einen Begriff davon.Wegen seiner umfangreichen Kenntnisse, seiner Verstandestiefe undvielleicht auch wegen seines Reichthums war Raba die einzige Autoritätwährend seiner Wirksamkeit an der Metibta. An ihn wendete mansich sogar von Judäa aus, als die vielfachen Verfolgungen unterConstantius und Gallus tiefes Elend über das heilige Land brachten.

Auch für die Juden unter persischem Scepter war diese Zeitnicht die glücklichste. In den hartnäckigen Kriegen zwischen Rom undPersien blieben sie keineswegs verschont. In Machnza hatte einpersisches Heer Standquartier und mußte von den Einwohnern ver-pflegt werden, was für die durchweg jüdische Bevölkerung mancheUnannehmlichkeit hatte ^). Schabur II. war kein Freund der Juden.Ans Armenien, wohin viele Juden seit undenklichen Zeiten, wennauch nicht unter Nebucadnezar, doch unter dem armenischen KönigTigranes (70 d. vorchristl. Zeit) verpflanzt worden und wo sie eigeneStädte bewohnten, führte Schabur eine ungeheure Menge derselben (auf71000 angegeben) in Gefangenschaft und colonisirte sie in Susianaund Jspahan. Diese Stadt, ehemals die Hauptstadt des persischenReiches, hat von den vielen seit der Gefangenschaft dort angesiedeltenJuden den Namen Jehudia erhalten"). In Babylonien scheintSchabur nicht minder Bedrückungen über die Juden verhängt zuhaben, da Raba genöthigt war, sie durch bedeutende Summen zuHintertreiben. Als seine Freunde sein Glück so sehr rühmten, daßer gewissermaßen als Ausnahme von dem, dem jüdischen Volke vor-herbestimmten Mißgeschick verschont geblieben sei, indem bei ihm nochkeine Erpressungen vorgekommen wären, entgegnete er ihnen:Waswißt ihr, wie viel ich heimlich für Schabur's Hof thun muß!"^)Kaum entging er einer persönlichen Gefahr, die über ihm als Schul-

h 1Äg.nit 20. b. ?S8S.oIiim 5. b.

2) Ritter Erdkunde X. 588. nach Faustus von Byzanz und Moses vonKhorene.

2) ObaZ'itz'g. 5. b.