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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Antipathie des Volkes gegen die Gelehrten. 33L

denn die Gelehrten, sie treiben die Gelehrsamkeit zu ihrem eigenenNutzen." An der Spitze der Opposition gegen die Rabbanan standdie Familie des Arztes Binjamin (oder Minjome) in Machuza,die bedeutendes Gewicht gehabt zu haben scheint, da Raba viel Rück-sicht auf sie genommen hat. Diese Familie spöttelte:WelchenNutzen haben wir denn eigentlich von den Gesetzeslehrern? sie könnenuns weder Naben erlauben, noch Tauben verbieten," d. h. bei all ihrerDialektik kommen sie nicht aus dem Kreis des Hergebrachten heraus ^).Obwohl Raba diese Aenßernng des Binjamin Assia für ketzerisch er-klärte, so findet man nicht, daß er ihn in den Bann gelegt hätte, imGegentheil behandelte er ihn durchaus rücksichtsvoll: wahrscheinlichgehörte er zu dem Gefolge des Exilarchen.

Indessen hatte der Eifer für das Gesetzesstudium noch mehr zu-genommen. Mehr noch als früher strömten die Jünger zu Raba'sLehrhaus in Mächuza und vernachlässigten deswegen ihre weltlichenAngelegenheiten. Raba mußte sie vor dieser Uebertreibung warnen:Ich bitte euch, laßt euch nur nicht bei mir in den Frühlings- undHerbstmonaten sehen, damit ihr nicht, wenn ihr die Zeit der Ernte,der Wein- und Oelbereitung versäumt, das ganze Jahr von Nahrungs-sorgen gequält seid""). Beliebt waren seine Vorträge mehr noch alsAbaji's wegen der Klarheit der Erläuterungen, der Schärfe der Unter-scheidungen und der Rücksichtslosigkeit in der Behandlung des Tradi-tionsstoffes. Boraitas, deren Inhalt mit einem Widerspruch behaftetschien, erklärte er für unecht und meinte: man müsse in solchenFällen sich nicht von der Autorität, sondern von dem Verstand leitenlassen^). Raba zog daher die Auseinandersetzung zu den Mischnasder trocknen Mischna vor. Denn jene bot der Dialektik weiten Spiel-raum, während diese, einfach gefaßt, eine Gedächtnißsache wurde.Raba stellte aus diesem Grunde die Amoräer über die Tanalten^);was diesen zweifelhaft war, das lösten jene, oder lösten es besser.Darum pflegte er zu sagen:.Ein Körnchen Pfeffer (Scharfsinn) istbesser als ein Korb voll Melonen." Im Gegensätze zu R. Selra I.,der, ein Feind der scharfsinnigen Lehrweise, die Einfachheit derMischnas höher schätzte, stellte Raba auf:Wer Steine bricht, be-

schädigt sich daran (Kohelet 9. 10.); damit sind die bloßen Kennerder Mischna abgefertigt, wer aber Holz spaltet, wärmt sich daran,das ist der Talmudkundige" ^). Der eigentliche Talmud, das anziehende

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