Druckschrift 
4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
Entstehung
Seite
323
Einzelbild herunterladen
 

Rabba bar Nachmani.

323

und wurde ihr Zuhörer. Rabba's zeitliche Verhältnisse werdenals sehr traurig und als Gegenstück zn dem ungetrübten Glücke R.Chasda's geschildert. Aber höchst übertrieben ist die Schilderung vonseiner Armnth jedenfalls, welche so erschreckend gewesen sein soll, daßseine Familie kaum Gerstenbrod zur Nahrung gehabt hätte, währendin R. Chasda's Haus die Hunde mit Weizenmehl gefüttert wordenwären. Auch die Unglücksfälle, die ihn betroffen haben sollen, undseine kurze Lebensdauer (nur vierzig Jahre) scheinen übertrieben »nddes Gegensatzes wegen zn R. Chasda's hohem Glücke sagenhaft auf-gestellt zu sein; denn unbestreitbar ist es, daß er keineswegs so sehrjung gestorben istZ.

Nach dem Tode seines Lehrers R. Juda (299) hielt das ausLiebhabern der Dialektik bestehende pnmbaditanische Collegium Rabbaallein für würdig, die in der Metibta entstandene Leere auszufülleu,und übertrug ihm die Würde, Nachfolger R. Juda's zu werden,welche er jedoch aus Bescheidenheit ablehnte. Man besetzte die er-ledigte Stelle durch R. Huna b. Chija^s, dessen Reichthnm so großwar, daß er für die Zuhörer in der Lehrversammlung vergoldeteSitze lieferte. Noch zählte die pnmbaditanische Hochschule 400 Zuhörer,obwohl sich der größte Theil der Jünger nach Sura gewendet hatte.Auch Rabba und sein Freund R. Joseph betheiligten sich an derheimischen Hochschule mit Unterordnung unter ihr derzeitiges Ober-haupt, um ihr eben erlangtes Ansehen nicht schwinden zn lassen. Alsman jedoch erfuhr, woher der Reichthum des R. Huna b. Chijastammte, daß er ihn von der Zollpacht gewonnen hatte, gab man ihmzu verstehen, die Lehrwürde nicht durch den gehässigen Erwerb zuschänden, sondern das eine oder das andere zu lassen. Nachdemderselbe die Zollpacht anfgegeben, erkannte ihn das Collegium nachRabba's Beispiel als würdigen Resch-Metibta an; nur der strengereR. Joseph zog sich von diesem Kreise zurück'^). Indessen drohte diepumbaditanische Metibta durch den nicht ganz makellosen Ruf ihresOberhauptes in Verfall zn gerathen; daher beeilte sie sich, nach demTode dieses R. Huna eine bessere Wahl zu treffen, um sich Teil-nehmer und Hörer zu verschaffen. Zwei schienen dafür würdig:Rabba bar Nachmani und R. Joseph b. Chija, der eine Vertreterder talmudischen Dialektik, der andere Pfleger der halachischen Ge-lehrsamkeit. Die Wahl zwischen Beiden war schwer, man wandtesich daher nach Judäa um Rath und stellte die Frage:Wem gebührt

') Dieselbe Note. Scherira's Sendschreiben.

b) Ueeborob 31. a.

21 *