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Geschichte der Juden.
der Vorzug, dem Sinai (Mann des Wissens), oder dem Bergeversetzer(Mann des Scharfsinns)?" In Tiberias, wo die scharfsinnige Lehr-weise, wenn nicht verhaßt, doch mindestens nicht beliebt war, entschiedman sich für den ersteren Z. Allein R. Joseph hatte eigene Bedenk-lichkeiten gegen die Annahme der Resch-Metibta-Wnrde. Ein Chal-däer hatte ihm die Nativität gestellt: er werde zwar zu hohem Ansehengelangen, aber sich in demselben nur zwei Jahre und 6 Monate be-haupten können und dann sterben^). Trotz der gesetzlichen Verbote,auf die Chaldäerweisheit zu hören, konnten sich die angesehensten Ge-setzeslehrer ihrem Einflüsse nicht entziehen; das tägliche Beispiel warmächtiger als das Gesetz. Da R. Joseph die Wurde ablehnte, sowurde sie auf Rabba übertragen (309), und in ihm fand die pumba-ditanische Hochschule ihr Ideal.
Rabba erhob ihren erloschenen Glanz von Neuem und zog eineMenge Zuhörer heran, die sich zuweilen auf 1200 beliefen. Er be-schränkte seine Vorträge nicht bloß wie R. Juda auf den praktischenTheil des Talmuds, sondern erläuterte sämmtlichc Theile der Mischna,suchte alle Widersprüche zwischen der Mischna, den Boraitas und denZusätzen der amoräischen Autoritäten (Memra) auszugleichen, undüberhaupt Klarheit in das Halachastudium zu bringen. Selbst demganz entlegenen Lehrstoff über die levitischen Reinheitsgesetze wandteer seine Aufmerksamkeit zu und machte ihn dem Verstäudniß zugäng-lich, stand aber mit diesen, dem Leben entschwundenen Studien ganzallein, worüber er sich beklagte: „Ich stehe allein," sprach er, „InderKenntniß der Lehre vom Aussatze, allein in der Lehre von Verun-reinigung der Häuser"'^). Eigenthümlich war ihm, tiefer auf dieMotive der Gesetze, sowohl der sopherischen und mischuaitischeu, wieder pentatcuchischen einzugehen, und daraus Konsequenzen zu ziehen.Seine Einleitungsformeln für solche Untersuchungen lauteten: „Warumhat das Gesetz dieses bestimmt?" oder „Warum haben die Gesetzes-lehrer dieses oder jenes verboten." Durch geistreiche Auffassung undErläuterung der Themata wußte er sie lebendig, und durch die Ab-wechselung, die er dem trockenen Gegenstände durch Einflechtungagadischer Sentenzen verlieh, interessant und fesselnd zu machen. Zu-weilen unterhielt er die Zuhörer vor dem Beginne des Vortragesmit interessanten Anekdoten, und wenn er sie in heitere Stimmungversetzt glaubte, begann er das Ernste und Geistanstrengeude zu be-handeln. Sein leitender Grundsatz dabei war, die Seele müsse für
*) Leraolwt 8t. a. Horajot 14. a.
") Daselbst. °h Laba LlsÄa 86. a. Reraelwt 2V. g..