322
Geschichte der Juden.
Rabba bar N ach in a ui (geb. um 270, gest. 330 Z hatte, wiedie Familie, der er angehörte, etwas Originelles. Er stammte ausJudäa und zwar aus einer galiläischen Stadt Mamal oder Mamala,deren Einwohner größtentheils Ahroniden aus dem Hause Eli warenund, wie sie behaupteten, noch an dem Fluche dieses Hauses gelittenhaben wollen, kein hohes Alter erreichen zu können. Wer nachMamala kam, war über die vielen Schwarzköpfe verwundert, die erda antraf, während ein Graukopf zu den Seltenheiten gehörte ^). —Rabba hatte drei Brüder mit Namen Kajlil, Uschaja und Cha-nanja, welche sämmtlich in großer Dürftigkeit lebten, und auchdieses Mißgeschick schrieben sie dem auf dem Hause Eli ruhendenFluche zu. Uschaja der Jüngere und CHananja, die nach Judäazurückgekehrt waren, nährten sich kümmerlich von Schuhmacherarbeit,welche sie aus Mangel an Kundschaft an Buhldirnen zu liefern ge-nöthigt waren. Trotzdem blieb ihr Sinn so rein und keusch, daßman ihnen nicht einmal einen unerlaubten Blick nachsagen konnte,und sie wurden in Folge dessen als „Heilige des Landes Israel"hochverehrt b). Diese zwei Brüder verlegten sich auf die Agada, dasLieblingsstudinm in Judäa, und auf die Pflege einer Art Mystik,ohne der Weihen theilhaftig zu werden^), während ihr nüchternerBruder Rabba, der von Jugend an viel Geistesschärfe gezeigt, mehrVorliebe für die Halacha hatte, und auf diesem Gebiete Epochemachend wurde. Weil derselbe in Babylonien zurückgeblieben war,konnten sich seine Brüder über sein Loos nicht beruhigen und be-mühten sich, ihn nach Judäa zu locken. „Es ist nicht gleichgültig",ließen sie ihm sagen, „ob man in oder außer Judäa stirbt, wie ja auchder Erzvater Jakob Werth darauf legte, im heiligen Lande begrabenzu sein. Wenn du auch weise bist, so ist es immer besser, einenLehrer zu haben, als sich selbst auszubilden. Wenn du uns ein-wendest; du kennest keinen Lehrer von Bedeutung in den jndäischenLehrhäusern, so wisse, daß du wohl hier einen solchen finden wirst" °).In Folge dieser dringenden Aufforderung wanderte Rabba, demGrundsätze seines Lehrers R. Inda zuwider, nach Judäa aus. Nacheiniger Zeit kehrte er indeß wiedeb nach Babylonien zurück °) —vermuthlich weil sein Geist von der jndäischen Lehrweise sich unbe-friedigt fühlte — als R. Huna und R. Chasda noch lehrten (vor 293),
') S. Note t.
2) Isbamot 76. a. und lossMot das. Osnssis Labba o. 59.; überLlamal siehe Lrnbür 51 b. und Isrus. das. IV. x. 22 a.
2) kssaebim 113 b. Z L^nbsärin 14. a. 66. b,
b) Lstnbot 111. a. ") Siehe Note 32.