Zwanzigstes Kapitel.
Exilarchat Mar-Ukban, Mar-Huna und Abba-Mari. Babylonische Amoräer:Rabba bar Nachmani, R. Joseph, Abaji in Pumbadita, Raba in Machuza.Verfall der suranischcn Dtetibta. Höchste Entwickelung der talmudischenDialektik. Die persische Königin Jfra und ihr Sohn Schabur II. R.Papa, Gründer einer neuen Metibta in Rares.
(320 — 363 )
Jener Druck, der die Palästinenser traf, und die Veranlassungzu Hillel's Kalenderordnung war, vermehrte die Bedeutsamkeit undden Einfluß Babyloniens, und wenn das Christenthum sich rühmenkonnte, die Lehrstätten in Judäa, gleichsam den Lehrtempel, denVertreter des Opfertempels, aufgelöst zu haben, so war diese Auf-lösung nur eine örtliche. Denn in Babylonien nahm das Gesetzes-studium einen solchen Aufschwung, daß es die ältere Zeit fast ver-dunkelte; es feierte seine Zeit der Reife. Die zwei Richtungen, diesich überhaupt in der Lehrart der Traditionen entwickelt haben: dieder zuverlässigen Aufnahme und der treuen Weiierlieferung, unddie der fruchtbaren Anwendung und Weiterförderung, waren in Baby-lonien in den zwei Hochschulen vertreten. Sura war die recipirende,Pumbadita die schöpferische Metibta. Sura kann überhaupt nur alsdie Fortsetzung der judäischen Lehrhäuser betrachtet werden, gewisser-maßen als das babylonische Liberias, und wenn auch der Geist, derdarin waltete, durch die babylonische Eigentümlichkeit verschieden war,so förderte doch die suranische Schule die Studien nicht merklich weiter.Zur höchsten Höhe brachte sie erst Pumbadita. Die ScharfsinnigenPumbadita's (OlmritL cko Lumbackita), aus R. Juda's Schule hervor-gegangen, führten in diesem Zeitalter die Hegemonie über Babylonienund die davon abhängigen Länder. Die Träger und Vertreter dieserRichtung bildete das Triumvirat Rabba und seine JüngergenossenAbaji und Raba. Diese drei vollendeten den völligen Ausbau desTalmuds, oder richtiger sie erhoben das Halachastudium zur geist-reichen Dialektik, und wiewohl sie nicht Schöpfer derselbe» waren, soist die conseguente Benutzung und Verwendung derselben nach allenSeiten hin ihre Eigenart.
Graetz, Geschichte der Inden. IV. 21