Druckschrift 
4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
Entstehung
Seite
318
Einzelbild herunterladen
 

3l8

Geschichte der Juden.

einen Sabbat zn verlegen*). Tiefer Nothzustand Judäas änderte sichnicht, als der grausame Gallus auf Coustantins' Befehl hingerichtetund Ursicinus in Ungnade gefallen war (354). Am kaiserlichen Hofezu Constantinopel galten die Bekenner des Jndenthums geradezu alsGottesleugner, weil sie Jesus nicht anerkennen konnten. Aus dieserAnschauung floß das Gesetz (357), daß wenn ein Christ sich dengotteslästerlichen" 'Gemeinden der Inden anschlösse, er mit dem Ver-luste seines Vermögens bestraft werden sollte^). Auf Coufiscationdes Vermögens hatten es die Kreaturen der Constantius besondersabgesehen und sie legten den Inden die härtesten Steuern ohne Maaßwie ohne gereckten Titel auf, um sie durch Verarmung und Erschöpfunganfzureibeu. Schon waren neue Schatzungstafeln ausgeschrieben, umden Steuerdruck noch mehr zu erhöhen, unter dem Vorwände, die Judenverdienten als Gottesleugner keinen Schutz ^). Von dieser neuen Be-drückung wurden sie erst auf eine unerwartete Weise durch den KaiserJulian befreit, der seinem Bruder Gallus ebenso unähnlich war, wieseinem Mitkaiser und Vetter Constantius.

Die traurigen Verhältnisse in Judäa haben den damaligenPatriarchen Hillel veranlaßt, einen Akt der Selbstverleugnung zubegehen, der noch nicht vollständig genug gewürdigt worden ist. Diebisherige Weise, die Berechnung der Neumonde und der Schaltjahregeheim zu halten, und die Festzeiten durch ausgesandte Boten denGemeinden in den Nachbarländern bekannt zu machen, hatte sich durchdie Verfolgungen unter Constatius als uuthunlich und eitel erwiesen.Wenn das Shnhedrin verhindert war, das Schaltjahr festznstellen,so mußten die jüdischen Gemeinden in Ost und West über die wich-tigsten religiösen Bestimmungen in Zweifel bleiben. Daher hat R.Huna b. Ab in das Kalendergeheimniß zeitweise verrathen und nachBabylonien an Raba die Regel kund gegeben:Wenn du merkst, daßder Winterabschnitt (Dkirnkat-Dobst) sich bis zum sechzehnten Nissanerstreckt, so trage kein Bedenken, auf eigene Hand das Jahr als einSchaltjahr zu betrachten" *). Um aller Schwierigkeit und Ungewißheitein Ende zu machen, führte Hillel ll. ein für allemal einen festenKalender ein, d. h. er gab Jedermann die Regeln an die Hand, dieNormen festzusetzen, nach welchen das Shnhedrin bisher bei denKaleuderberechnungen und Festeszeitcnbestimmungcn verfahren war.Mit eigener Hand zerriß dieser Patriarch das letzte Band, welches

*) Obnlin 101. b. 2 ) Ooäsx lüsoilosiauas XVI, 8. 7.

°) Julian's Sendschreiben an die jüdischen Gemeinden, Note 34.

*) Losoü ba-8vbanal> 21. a.