Zunehmende Intoleranz des Christenthnms gegen die Juden. 307
Der Kaiser Constantin, der die Kirche groß gemacht, ihr dieHerrlichkeit der Erde zu Füßen gelegt, aber ihr auch den zweideutigenSegen mitgegeben hat: „Durch das Schwert sollst du leben," er hatAnfangs auch dem Judenthume als Religion Gleichstellung nebenden anderen Religionsformen im römischen Reiche verliehen. Ehesich nämlich Constantin zum Christenthnm.bekannt hatte, nur vorAllem bedacht, Neligionsverfolgungen im römischen Reiche einznstellen,erließ er eine Art Toleranzedikt, jenes Edikt von Mailand: daß sichJedermann frei zu einer Religion bekennen dürfe, ohne dadurch in dieAcht zu gerathen (Winter 312 —313 i). In diese Religionsduldungwaren die Juden ebenfalls eingeschlossen. Ihre Patriarchen, Aelteste,Vorsteher der Lehrhänser und Synagogen genossen dieselben Rechte,wie die christlichen Geistlichen und heidnischen Priester ^). Diese Be-stimmungen blieben auch später in Kraft und wurden durch neue Ge-setze sanctionirt, obwohl an dem neuerrichteten byzantinischen Hofeein anderer Geist zu herrschen anfing. Die Norm wurde festgestellt,daß diejenigen in der "Synagoge, welche sich dem Gesetze und derLehre widmen, die Patriarchen, Presbyter und andere Arten Religions-beamte von den lästigen Aemtern der Magistratur frei bleiben solltenNach dem Muster der römischen Priesterverfassung und des christlichenBischofsystems wurde der Patriarch in Judäa als Oberhaupt sämmt-licher Juden im römischen Reiche anerkannt, dem Gemeinden wieReligionsvorsteher Gehorsam schuldig seien. Diese unparteiliche Ge-rechtigkeit Constantin's dauerte jedoch nur eine kurze Zeit. Je mehrdas Christeuthum Einfluß auf ihn gewann, desto mehr nahm er dieIntoleranz desselben an, welches, seinen Ursprung vergessend, dasJudenthum und seine Bekenner eben so leidenschaftlich wie das Hei-deuthum haßte. Kirchenobere vom Schlage des Hosius, Bischof vonCorduba, welcher auf einer Kirchenversammlung zu Elvira (320) mitanderen Geistlichen den Christen gemüthlichen Verkehr mit Juden beiStrafe des Bannes verbot, und wie Eusebius von Cäsarea, der ersteKirchengeschichtsschreiber, welche beide das Ohr des Kaisers hatten,haben es an Hetzereien gegen sie nicht fehlen lassen. Haßten und ver-folgten doch die Bischöfe einander mit fanatischer Leidenschaftlichkeit
*) Omnibus iibsra, potsstas ssgusnäi rslißlonsm. Uaetant. cts mortsllsrseeutorum o. 48, auch Uussbins. Äirchengeschichte X. 5. 7.
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h 0. llb das. Z 24.