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Geschichte der Juden.
und diese Erinnerungen waren in ihrer verblichenen Gestalt, in geister-hafter Erscheinung noch mächtig genug, es mit lebendigen Kräftenaufzunehmen und sie unsichtbar zu beherrschen. Ebenso wie Italien,der Sitz des ausgebilveten Heideuthums, verarmte und verkümmerteJudäa durch das Christenthum. Durch die politische Gewalt, welchedas Letztere erlangte, indem ihm das Kaiserthum das Lictorenbeilund das Legionenschwert lieh, büßte Judäa bald den letzten Schimmervon Geistesthätigkeit ein: das Lehrhaus von Tiberias verlor seinelaug ausgeübte Anziehungskraft und gerieth gänzlich in Verfall.
Während Babylonien in diesem halben Jahrhundert durch diedrei originellen Amoräer Rabbah, Abaji und Raba den Höhepunktseiner Eigenthümlichkeit erreichte, waren die judäischen Amoräer dieserZeit ohne Bedeutung, ohne irgend einen Zug hervorragender Größe.Die wenigen Männer, welche aus dieser Zeit genannt werden, warenR. Chagga't, eine Autorität durch Alter, R. Jona II und R.Josä^), Jünger und Nachfolger von R. Ami und R. Aßi. Dieeinzige vollgültige Autorität in Judäa war R. Jeremia, aber erwar aus Babylonien eingewandert und wurde in der Heimath so weniggewürdigt daß er aus den Lehrhäusern gewiesen wurde. Die Patriarcheu-würde sank in dieser Zeit nicht minder zur völligen Uuscheinbarkeitherab, nachdem der Träger derselben Hillel ll., in Selbstverleugnungseinem Urahn Hillel ähnlich, sich der letzten Funktion, der Festcs-anordnnng, durch die Verallgemeinerung der kalendarischen Berechnungbegeben hatte, einer Funktion die, wie unbedeutend auch au sich, dochden Patriarchen in den Augen der jüdischen Gesammtheit als deneinzigen Mittelpunkt erscheinen ließ. Merkwürdigerweise erlangtedas Patriarchat gerade in der Zeit, als es im Innern ganz bedeu-tungslos geworden war, nach Außenhin einen prunkenden Glanz, alssollte die Leiche geschmückt ins Grab gesenkt werden. Die Patriarchenerhielten in dem letzten Jahrhundert ihres Bestandes die pompösenEhrentitel „Erlauchte" liilustres), „Hochansehnliche" (spaotabilsch,„Hochberühmte" (olarissimi), Ehrentitel, welche sie mit den höchstenStaatswürdenträgern, den Oberfeldherren, Statthaltern, Proconsuln,theilten, und durch welche sie ihnen scheinbar gleichgestellt waren. „Werda wagt, die erlauchten Patriarchen öffentlich zu beschimpfen, der ver-falle einer schweren Strafe," bestimmte ein zwar später erlasseneskaiserliches Edikt, das sich aber an die frühere Gesetzgebung (wahr-scheinlich von Diokletian), über die Patriarchen aulehnt.
H Isrus. Lzmükllriu I. x. 18. e.
2) 6oclsx Dbeoclosiaun8 I,. XVI. I.'. 8. Z 11.