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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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N. Juda.

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Punkte des Geschlechtsadels und der nnvermischten Abstammung außer-ordentlich Peinlich und empfindlich. Ein Freund der Einfachheit inallen Dingen, war er heftig und verletzend gegen diejenigen, welchedie künstliche Verfeinerung vorzogen. Ein Verehrer des heiligenLandes, äußerte er sich dennoch tadelnd über diejenigen, welche Baby-lonien verließen, um sich in den jndäischen Schulen auszubilden, undwar unerbittlich gegen diejenigen seiner Freunde und Schüler, welchedem Answanderungszuge dorthin folgten'). R. Juda gründete zuerstein Lehrhaus in Pumbadita, das seit der Zerstörung Nahardea's derMittelpunkt für Nordbabhlonien wurde, wie Sura für den Süden.Die pumbaditanische Metibta, die unter R. Juda nur den zweitenRang nach Sura einnahm, schwang sich später zur ersten Hochschuleenipor, behauptete ihren Vorrang mit einigen Unterbrechungen nahean acht Jahrhunderten und war gleichsam das letzte Ucberbleibsel desjüdischen Alterthums, welches mit noch frischen Augen das Anbrecheneiner neuen Zeit erblickte.

Dem Volkscharakter seiner Vaterstadt treu, herrschte in R. Judader Verstand über das Gemüth so sehr vor, daß er nur einen Tagim Monat dem Gebete weihte, die ganze übrige Zeit hingegen derGesetzesforschung oblag ^). Samuel zeichnete ihn schon alsdenScharfsinnigen" aus und er wurde der Schöpfer jener scharfsinnigenDialektik, die in früheren Zeiten auf judäischem Boden eine vorüber-gehende Erscheinung, in Babylonien heimisch und gangbar gewordenist. Diese Dialektik unterschied sich wesentlich von der tanaltischen;sie ging auf den Kern des Themas ein, während jene an Formelnder Deutungsregeln haftete. R. Juda's Vorträge bewegten sich meistauf dem Gebiete der Rechtslehre, weil hier scharfsinnige Vergleichungenund Unterscheidungen, Schlußfolgerungen und Anwendungen am Platzesind, und Theorie und Praxis sich die Hand bieten. Die übrigenTheile der Mischna sind in R. Juda's Metibta vernachlässigt worden,ja er empfand eine Art Scheu, an solche Theile der Mischna zugehen, welche Halachas der außer Brauch gekommenen levitischenReinheitsgesetze behandeln ^). Der reiche Gesetzesstoff schrumpfte unterR. Inda in den kleinen Kreis zusammen, der für die Wirklichkeit unddas alltägliche Leben Anwendung finden konnte. Alle diejenigenUeberliefernngen, an welche sich die Erinnerung an das ehemaligeglanzvolle Tempelleben, oder an die phantasiereiche Hoffnung auf die

') Lictnsebin 70. a., 72. a. Letnbot 110. b. Usraebot 24. b. 8a.bbat41. a.

") Uoseb ba.-8eba.nab 35. a,.

") Usraobot 36. a.. und an vielen Stellen: nn'v'. 8^'nböclrin 98. b.