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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

König von Palmyra i). Warum sollte er es nicht, wie sein Lands-mann Philipp, znm römischen Kaiser bringen? In jüdischen Kreisennannte man Odenath den Ränberhauptmann Papa bar Nazor^sund deutete auf ihn den Zug in der Daniel'schen Vision:Das kleineHorn, ans den größern hervorgegangen, mit Menschenangen und einemhochmüthig redenden Munde." Die Raubzüge dieses abenteuerndenPapa waren für die palästinensischen und babylonischen Juden vonnachtheiligen Folgen begleitet. Er zerstörte das uralte Nahardea (259),das seit den Zeiten des babylonischen Exils Mittelpunkt der jüdischenGemeinden war; cs dauerte längere Zeit, bis es sich von dieser Zer-störung erholen konnte. Die nahardeanischen Amoras, die SchülerSamnel's, welche nach dem Tode ihres Meisters die Lehrtätigkeitfortgesetzt hatten, mußten entfliehen. Es waren R. Nachman, einSchwiegersohn des Exilsfürsten, R. Scheschet, Rabba b. Abbuhaund R. Joseph b. Chama^). Sie wanderten nach Machuza undanderen Städten der Tigrisgegend aus'Z, nach Silhi (kbum el silbund Leibi) und Schakan-Zib (UI-Lib). Beide Städte am Tigris-flusse ) (südlich von Bagdad) erhielten von dieser Zeit an amoräischeLehrhänser, wie auch Pnmbadita seine Erhebung zur akademischenStadt von diesem Umstande datirte.

Bei der Zerstörung Nahardea's durch Papa b. Nazor warenSamnel's Töchter ohne Zweifel unter vielen Anderen in Gefangenschaftgerathen. Sie wurden nach Sepphoris gebracht. Die Freibeuterspekulirten auf ein reiches Lösegeld, das für sie einträglicher schien,als die Gefangenen auf dem Sklavenmarkte zu verkaufen; denn eswar bekannt, daß die Inden für den Loskauf ihrer gefangenen Stamm-genossen keine Kosten scheuten. Samnel's Töchter hatten von derhalachischen Gelehrsamkeit ihres Vaters so viel Nutzen gezogen, daßdaß sie dem strengen Gesetze zu entgehen wußten, welches gefangeneJungfrauen gleich Geschändeten behandelt und sie dadurch zu einerfleckenlosen Ehe unfähig macht. Ehe man noch wußte, wessen Töchtersie waren, erhielten sie ihre Freiheit wieder, und man glaubte ihnen,daß ihre Unschuld von den rohen Kriegern keinen Angriff erlittenhabe. Als R. Chanina in Sepphoris erfuhr, daß cs Samnel's Töchterwaren, legte er einem ihrer Verwandten, Simon b. Abba, an'sHerz, eine derselben zu heirathen. Simon, Schüler R. Chanina's und

1) sS. Mommsen, Röm. Gesch. V. 433. Anmerkung 2.)

2) Note 28.

2) Scherira Sendschreiben.

U Ders.

°) Ritter Erdkunde X. 233. 291.