Samuel.
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ein Rettungsanker für die Zerstreuten. Sie versöhnte einerseits dieJuden selbst mit demjenigen Staate, wohin das unerbittliche Geschick siegeworfen hatte; ihr religiöses Gewissen fühlte sich nicht im Widerspruchmit den selten milden Gesetzen, die man ihnen auflegte. Andererseitskonnten die Judenfeinde aller Jahrhunderte, welche, den scheinbarfeindlichen Geist des Judenthums zum Vorwand nehmend, Ver-folgung und gänzliche Vertilgung der jüdischen Nation riethen, ansein jüdisches Gesetz verwiesen werden, welches ihre Behauptung mitdrei Worten entkräftete. Der Prophet Jeremias gab den nach Baby-lonien vertriebenen Stämmen die herzliche Ermahnung für ihr Ver-halten in der Fremde mit: „Fördert das Wohl der Stadt, wohin ihrvertrieben seid." Samuel hatte diese herzliche Ermahnung in einereligiöse Vorschrift umgewandelt: „Das Gesetz des Staates ist gültigesGesetz" i). Jeremias und Mar-Samuel verdankt das Jndenthum dieMöglichkeit seines Bestandes in der Fremde. Samuel hatte überhaupteine besondere Zuneigung zu dem Persischen Wesen, war in Folge dessenbei dem persischen Hofe sehr gelitten und lebte auf vertrautem Fußemit Schabur I. Die Zeitgenossen nannten ihn daher — man weißnicht rügend oder ehrend — den König Schabur und auchArioch den Arier (Anhänger der Neuperser ^). Seine Anhänglichkeitan die persische Dynastie war so groß, daß sie das Gefühl für dieStammverwandten in seinem Herzen verdrängte. Als Schabur seineEroberungen bis nach Kleinasien ausgedehnt und die cappadocischeHauptstadt Mazaca-Caesarea eingenommen hatte, kamen dabei 12 006Juden um. Samuel legte aber kein Tranerzcichen um die Gefallenenan, weil sie gegen Schabur gekämpft hatten ^). Er bildet daher eineneigenen Typus: inmitten der Hochstimmung des Judenthums stehend,in dessen Lehre und Ueberliefernng vertieft, erhob er sich aus demengen Gesichtskreise der Nationalität, um auch eineu Blick für andereVölker und andere Geistesbestrebungen offen zu habeu. Rab, ganzund gar in der Nationalität befangen, räumte dem persischen Wesenkeinen Einfluß ein, gestattete nicht einmal, von den Magiern etwasUnschuldiges anfzunehmen: „Wer auch nur eine einzige Sache von denMagiern lernt, verdient den Tod^). Samuel hingegen lernte sehr viel
sJn seiner strengen Rechtlichkeit nannte er jede Täuschung eines Neben-menschen, um dessen Gunst zu gewinnen, das „Stehlen einer Meinung" (m-owas wie der Diehstahl, selbst einem Heiden gegenüber sündhaft sei. Olmlin 94 a.j
2) So richtig erklärt von Fürst.
2) Lloecl Laban 26. a. Die Eroberung von Cappadocien (2onaras I. 12.)wird 260 angesetzt, von Oidbon und Olinbon Laati Romani I. zu diesem Jahre.Aber damals war Samuel schon todt, vergl. Note 1.
H Labbab 75. a.
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