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Geschichte der Juden.
vor der Verlobung mit dem Mädchen ihrer Wohl Bekanntschaft zumachen, damit die eheliche Liebe sich nicht durch Enttäuschung in Haßverwandele, und verbot den Verlobten, vor der Ehe im Hanse derBraut zu wohnen. Allerhand gesetzliche Kniffe, die der Gatte an-wendcn konnte, um eine nothwendige Scheidung rückgängig zu machen,vereitelte Rab, indem er für solche Fälle demselben den Schutz der Gesetzeentzog. Alle diese sittlichen Maßregeln sind allgemein gültige Gesetzegeworden. Das Ansehen der Gerichtshöfe hob er ebenfalls; jedermußte auf Vorladung des Gerichts erscheinen; die Gerichtsdienerwurden mit amtlichem Ansehen bekleidet; gegen die Widersetzlichenführte er den Bann ein. Der Bann hatte in Babylonien einestrengere Form und darum auch eine größere Wirkung. Man machtedie Vergehungen des Gebannten öffentlich bekannt; man mied seinenUmgang, bis er Buße gethan. In Babylonien, wo die jüdische Be-völkerung eine Welt für sich ansmachte, war der Bann hinreichend,den Gesetzen Ansehen und Gehorsam zu verschaffen. — Rab's Thätig-keit war also eine doppelte: er veredelte die Sitten und brachte wissen-schaftliche Regsamkeit in ein Land, das früher, wie die Quellen sichausdrücken, „ein freies, ungeschütztes Brachfeld war." Rab umgab esmit einem Doppelzaun der Sittenstrenge und der Geistesthätigkeit;nach dieser Seite hin war er für Babylonien, was Hillel für Judäagewesen war.
Auch die Tugenden Rab's, seine Geduld, Versöhnlichkeit undBescheidenheit erinnern an Hillel. Er hatte eine böse Frau, welcheihm in allen Dingen zuwider handelte; erbat er sich eine bestimmteSpeise, so war er gewiß, daß gerade etwas Anderes zur Tafelkommen würde. Er erinnerte sich dabei des Segens, den ihm R.Chija zum Abschiede gegeben: „Gott schütze dich vor etwas, das nochschlimmer ist als der Tod," was er damals in seiner Harmlosigkeitnicht begreifen konnte. Er ertrug aber die Unarten seiner Frau mitGeduld. Als sein Sohn Chija herangewachsen war, Pflegte er dieBestellungen seines Vaters an die Mutter nmzukehren, damit sie geradedas Entgegengesetzte und also das eben Gewünschte ansführen sollte.Rab freute sich zwar über die zarte Aufmerksamkeit seines Sohnes,verwies es ihm aber, weil der Schein von Lügen zur Lügengewöhnungführen könnteGegen R. Chanina, das Schulhaupt von Sepphoris,hatte Rab in seiner Jugend etwas versehen, darum ermüdete er nicht,ihn mehrere Male hintereinander um Verzeihung zu bitten-). Inseiner Versöhnlichkeit nahm er keine Rücksicht auf seinen Stand; als
*) ckobamot 63. a. 87. b.