Druckschrift 
4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
Entstehung
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

Jochaiiaii b. Napacha.

237

so schön von Gestalt, daß die sonst trockene talmudische Quelle nnivill-kürlich dichterisch wird, um R. Jochanan's Schönheit zu veranschaulichen:Wer sich einen Begriff von seiner Schönheit machen will", berichtetsie,der fülle einen frischgearbeiteten Silberpokal mit rothen Granaten,umgebe den Rand mit einem Kranze rother Rosen, stelle den Pokalzwisckien Licht und Schatten, und der eigenthümliche Lichtreflex desselbenwird R. Jochanan's glänzender Schönheit entsprechen" ^). Jedoch wardiese Schönheit mehr weiblicher Art, denn ihm fehlte der Bart, derAusdruck männlicher Würde. Auch waren seine Augenbrauen so lang,daß sie seine Augen überschatteten. Sein Blick hatte dadurch zuweilenetwas Düsteres, Strenges, Stechendes, und er soll, der Sage nach,öfter mit seinem Blicke unwillkürlich gctödtet haben. Im zarten Alterwar er Zuhörer des ältern R. Inda, gestand aber später, daß erwegen seiner Jugend nur wenig von der tieferen halachischen Debatteverstanden habe"). Da er nicht begütert war und nur ein kleinesGrundstück besaß, hatte er sich mit Jlpha, einem Mitjünger, auf einGeschäft gelegt, als ihm ein Wink zukam, sich der Lehre ganz zuweihen, dann werde er einen hohen Rang einnehmcn. Deswegen gaber sein Geschäft ans und wurde von Neuem Zuhörer bei berühmtenGesetzeslehrern. Sein kleines Grundstück verkaufte er, um die Mittelzum Studium zu haben, ohne der Sorge Raum zu geben, wovon erim Alter leben werde. Man wendete daher später ans ihn den Versdes Hohenliedes an:Er gab sein Vermögen hin aus Liebe" (zu derLehre st. Doch scheint er später von dem Patriarchen R. Inda seinenUnterhalt bezogen zu haben st. R. Jochanan pflog Umgang mit denLehrern verschiedener Schulen, um sich allseitige Kenntniß des Gesetzes-stoffes anzneignen, unter Andern auch mit dem BoraitasammlerR. Uschaja in Cäsaren, von dem er anderweitige Halachas vernahm,die in der Mischna nicht enthalten waren"). R. Chanina b. Chamawar, wie schon erzählt, sein Hanptlehrer, mit dem er sich jedoch nichtvertragen konnte, weil Jenem jede Mischna als unfehlbares kanonischesGesetz galt, an dem man nicht mäkeln dürfe; ans diesem Grundeverließ er dessen Schule und gründete in Liberias eine eigene st.R. Jochanan wurde die rechte Hand des Patriarchen R. Inda II.,

st Labe. Lsms. 84. a. st 6bulin 137 b.

st Lxoäns Labba o. 47. Usvitious Labba. 30. Ntärase.b Lantionm p. 30. a.

st Lola. 21. a.

st Urnbin 53. a. Isrus. Isrnmod X. 47 a; gzmbeär. XI. x. 36 b.

st Isrns. Lobsbiit IX. ii. 38 cl. Hess. I. x. 60 a. Die letzte Stelle istcorrecter und es ergiebt sich daraus, daß hier von Sepphoris und von Chaninab. Chama die Rede ist.