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Geschichte der Juden.
der fruchtbarste Amora seiner Zeit, und seine Aussprüche wurden durchseine zahlreiche Jüngerschaft ein Hanptbcstandtheil des Talmuds. SeineLehrart war, tiefer in den Sinn der Mischna einzugehen, jedes Gefügeeiner strengen Analyse zu unterwerfen, einen Ansspruch gegen denanderen zu halten; dadurch kam er zu dem Resultat, daß die Mischnanicht durchweg Gesetzeskraft habe, weil sie nur Ansicht einer einzelnenAutorität sei; er Pflegte daher manche mischnaitische Halacha ganz zuverwerfen, dafür aber vernachlässigten Boraitas Autorität einznräumen.Der schon erwähnte Jlpha war entgegengesetzter Ansicht und so verliebtin R. Jnda's Sammlung, daß er kühne Wetten einging, für jedenParagraphen der Boraita, der in einer gewissen Breite ausgeführt ist,eine kurze Andeutung in der Mischna Nachweisen zu können; daher dieBoraitas durchaus überflüssig seiend. Auch für die endgültige Ent-scheidung stellte R. Jochanau gewisse Regeln fest für solche Fälle,bei denen zwei oder mehrere Tanaiten entgegengesetzter Ansicht waren.Liberias mit seiner milden Luft, seiner Fruchtbarkeit, seinen Heil-quellen wurde durch ihn der Sammelplatz einer zahlreichen Jünger-schaft, die von nah und fern herbeiströmte. Selbst aus Babylonien,dessen neugegründete Schulen ausgezeichnete Meister hatten, kamenviele schon fertige, reife Jünger zu R. Jochanans Lehrhaus. Manzählt über hundert Amoras, die R. Jochanan's Entscheidungen alsgesetzeskräftig aunahmen und lehrten.
Mit dem Patriarchen auf's Innigste befreundet, unterstützte erdessen Unternehmen, manches Herkömmliche abzuäuderu. R. Jochanauselbst war nicht streng in diesem Punkte, und überhaupt lange nichtso erschwerend, als die babylonische Schule, die sich in seiner Zeitgebildet 2). Er erlaubte das früher verbotene Griechisch zu erlernen,den Männern, weil sie sich dadurch vor Angebereien schützen könnten,und den Frauen, weil die griechische Sprache für das weiblicheGeschlecht eine Zierde sei. Ueberhaupt schätzte er die griechischeBildung und räumte ihr einen Rang neben dem Judenthume ein.Schön drückt er sich darüber aus i „Dafür, daß die beiden SöhneNoah's, Sein und Japhet, ihres Vaters Blöße mit einem Gewändezugedeckt haben, verdiente sich Sem (Typus des Judenthums) denMantel mit Sch auqu asten (Dulit) und Japhet (Typus fürGriechenthum) den Philosophenmantel" (k-Ulium'st. R. Jo-chauau war es, welcher die Neuerung der Zimmermalerei mit Figurenzuließ 4). Mit der römischen Macht konnte sich R. Jochanau nicht
u Note 26. 2 ) Dieselbe Note.
°) Osnssis Labba o. 36. Oben S. 22S.