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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Chanina den Chama.

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empfangend, niemals schöpferisch. Nach diesen Beiden hätte der Lehr-stoff ewig in derselben Form bleiben müssen, wie er einmal gegebenwar; fruchtbare Anwendung, Fortbildung und Erweiterung desselbenwar nicht ihre Sache. Dieser Standpunkt, die Mischna als ein todtesKapital zu betrachten, gefiel aber den strebsamen jüngern Männernnicht; daher trennten sich sogar die Schüler von ihm und gründetenneue Lehrhänser.

Wegen seiner Frömmigkeit genoß R. Chanina hohe Verehrungbei Juden und Römern, Als er einst mit dem jüngern ZeitgenossenJosua b. Levi den Proconsul (^.ntb/patos) in Cäsarea aufsuchte,stand dieser vor ihnen ehrerbietig auf und bemerkte gegen diejenigen,welche darüber erstaunt schienen:Sie erscheinen mir wie Engel" ^).Er, wie keiner, durfte sich herausnehmen, die tiefeingerissenen Fehlerseiner Gemeinde rücksichtslos zu rügen und ihnen jenen falschenGlauben zu benehmen, der sich die unglaublichsten Wunder gefallenläßt, um der Selbstthat überhoben zu sein. Die schonungslosenAeußerungen R. Chanina's über die Sepphorener geben zugleich eintreues Sittengemälde jener Zeit. In Sepphoris und der Umgegendhatte einst die Pest so gewüthet, daß viele Menschen in allen Theilender Stadt hinweggerafft wurden, nur derjenige Theil, in dem R.Chanina wohnte, blieb verschont. Die Sepphorener machten ihrenVertreter dafür verantwortlich, weil er keine Wunder thue, um diePest abzuwenden; worauf er ihnen antwortete:In Moses Zeitengab es nur einen Simri (der mit Heidenfrauen Unzucht getrieben)und es fielen 24000 in der Pest, unter euch giebt es aber so vieleSimri und ihr beklagt euch noch!" °) Ein andermal litt Judäa ananhaltender Regenlosigkeit und Dürre. R. Chanina hatte die vor-geschriebenen Fasten und öffentlichen Gebete veranstaltet, ohne daßsich der ersehnte Regen eingestellt hätte, worüber sich die Sepphorenerwieder beklagten und ans R. Josua b. Levi verwiesen, welcher fürdas südliche Judäa Regen erfleht habe. Bei der nächsten Gelegen-heit ließ R. Chanina R. Josua aus dem Süden nach Sepphoriskommen, und vereinigte dessen Gebet mit dem seinigen, aber wiederumohne Erfolg. Da nahm R. Chanina Veranlassung, seine Landsleutewegen ihres Afterglaubens an die Wunderthätigkeit eines Menschenzurechtzuweisen:Da seht ihr's: nicht Josua bringt Regen und nichtChanina hält den Regen zurücki sondern die Lyddenser sind weich-herzig und demüthigen sich, darum giebt ihnen der Himmel Regen,

h Das. Usraobor V. x 9 a.

2) Das. tlaanlt III. p. 66 o.